So leer ist es auf der Publikumsbahn des Neuköllner Eisstadions selten. An den Wochenenden herrscht hier oft Hochbetrieb.
Foto: Volkmar Otto

NeuköllnDas Neuköllner Eisstadion zählt zu den schönsten Eisbahnen Europas – zumindest wenn man der britischen Tageszeitung The Guardian Glauben schenkt. Sie hat kürzlich ihre Leser darum gebeten, der Redaktion die besten Eisbahnen zu nennen. Zwölf Einrichtungen tauchen in der Hitliste auf, ganz vorne: die Eisbahn im Greenwich Park in London.

Herr Miers, herzlichen Glückwunsch, dass es Ihre Eisbahn in dieses Ranking geschafft hat. Können Sie die Wahl der Leser nachvollziehen?

Also mich hat diese Platzierung ein bisschen überrascht. Aber das liegt vielleicht daran, dass ich seit 30 Jahren hier arbeite und mir das Eisstadion so vertraut ist. Und ich weiß auch um die Reize der anderen Berliner Eissportanlagen.

Gibt es denn eine Eisbahn, die Ihnen besser gefällt als die Neuköllner?

Nein. Ich fühle mich hier sehr wohl.

Der Guardian stützt sein Ranking auf Leserzuschriften. Für Ihre Einrichtung hat sich ein gewisser „Matt“ starkgemacht. Kennen Sie ihn?

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Der Name sagt mir gar nichts. Aber unsere Besucher stellen sich   auch nicht vor. Wir würden uns aber freuen, wenn sich Matt zu erkennen geben würde. Dann könnten wir uns bei ihm bedanken.

„Matt“ lobt zum einen den exquisiten Imbiss. Was können Sie empfehlen?

Ich persönlich esse dort sehr selten. Von meinen Kollegen habe ich gehört, dass die Frühlingsrollen und die Pommes sehr gut sein sollen.

Zum anderen hebt der Guardian die günstigen Eintrittspreise hervor. 3,30 Euro zahlt man als Erwachsener. Ist das günstiger als in anderen Berliner Kunsteisanlagen?

Nein. Die Preise in öffentlichen Eisstadien sind gleich, weil sie durch eine Entgeltordnung geregelt sind.

Und dem Guardian zufolge zahlen Geburtstagskinder nur die Hälfte.

Also, das ist mir neu. Denn Geburtstagskinder haben bei uns freien Eintritt. Vielleicht war Matt zur Happy Hour bei uns, da kostet der Eintritt nur die Hälfte.

Stimmt es denn, dass Sie eine Eisfläche mit Zuschauertribüne haben?

Ja, aber das ist die Wettkampfbahn, die hauptsächlich für Eishockey- und Eiskunstlaufvereine sowie unseren Privatunterricht reserviert ist. Die Fläche für den Publikumslauf hat keine eigene Tribüne. Die Öffentlichkeit lassen wir manchmal am Wochenende auf die „Kampfbahn“, wie wir sagen, wenn sehr viel los ist und kein Verein da ist. Wie beispielsweise an Weihnachten und Neujahr.

Wie viele Leute kommen denn zu Ihnen, wenn Hochbetrieb ist?

Das können schon so 1800 bis 2000 Besucher am Tag sein.

Ihr Stadion ist eine reine Open-Air-Anlage. Ist das angesichts der milder gewordenen Winter ein Vorteil oder ein Nachteil?

Wenn die Sonne scheint und es klar und kühl ist, dann ist es viel schöner, an der frischen Luft Schlittschuh zu laufen als in der Halle. Wegen des Klimawandels haben wir den Start und das Ende der Saison jetzt um eine Woche nach hinten verschoben.

Merken Sie die milderen Winter bei den Betriebskosten?

Wenn überhaupt, dann nur geringfügig. Es gab in der Vergangenheit ja auch Jahre, wo es ab November frostig war. Da sind die Betriebskosten dann niedriger.

Andreas Miers, 54, leitet das Neuköllner Eisstadion seit Dezember 2017. Der Eismeister arbeitet seit rund 30 Jahren in der Anlage.
Foto: Volkmar Otto

Zwei deutsche Anlagen haben es in das Ranking des Guardian geschafft – neben Neukölln noch eine temporäre Anlage in Köln. Auch in Berlin gibt es auf Weihnachtsmärkten solche Anlagen. Selbst das Berghain, das Bikinihaus und ein Möbelhaus betrieben in der Vergangenheit zeitweise Eisbahnen. Ist das eine ernsthafte Konkurrenz für Sie?

Diese Angebote schaden uns nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Denn diese Eisbahnen sind mit durchschnittlich rund 200 Quadratmeter so klein, dass die Besucher Lust bekommen, größere Anlagen zu besuchen. Man könnte sagen, die kleinen Bahnen machen Appetit auf mehr.

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Wie groß ist denn Ihre Eisfläche?

Die Publikumsbahn hat rund 2200 Quadratmeter, mit der „Kampfbahn“ kommen wir auf 4000 Quadratmeter.

Wie viele Besucher zählt Ihr Eisstadion in der Saison im Schnitt?

Durchschnittlich habe wir 100.000 Besucher, Tendenz steigend.   Das liegt vielleicht auch daran, dass die Leute durch Fernsehsendungen wie „Dancing on Ice“ wieder eher auf die Idee kommen, Schlittschuhlaufen zu gehen.

Ihr Eisstadion liegt in der Nähe des S-Bahnhofs Hermannstraße, also nicht in der feinsten Gegend Berlins. Wer kommt denn so zu Ihnen?

Unser Publikum ist sehr gemischt, hierher kommen alle Bevölkerungsschichten. Wenn man sich die Leute auf der Eisfläche betrachtet, dann käme man nicht auf die Idee, dass man in einem Bezirk ist, der nicht so gut situiert ist.

Das Neuköllner Eisstadion ist meines Wissens die älteste Einrichtung dieser Art in Berlin. Wie haben die anderen Einrichtungen der Stadt, die vielleicht etwas moderner daherkommen, auf die Auszeichnung reagiert?

Bis jetzt noch nicht. Aber das kann noch kommen.