Berlin - Für wenig Geld im Sommer durchs ganze Land. Das angekündigte Neun-Euro-Ticket eröffnet nicht nur Neukunden, sondern auch den heutigen Nutzern des Nahverkehrs neue Möglichkeiten. Wer bereits ein Abonnement abgeschlossen oder eine Jahreskarte erworben hat, darf damit während der drei Gültigkeitsmonate des Sonderangebots mit dem Nah- und Regionalverkehr ohne Aufpreis durch ganz Deutschland fahren. Darauf hat Oliver Wolff, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), am Mittwoch hingewiesen.

Wie berichtet, will der Bund nicht nur die Autofahrer, sondern auch die Nutzer des Nahverkehrs von den gestiegenen Energiekosten entlasten. Geplant ist ein Sonderangebot, das es in dieser Form in Deutschland noch nie gegeben hat. Voraussichtlich für Juni, Juli und August 2022 soll es spezielle Tickets geben, die jeweils neun Euro kosten und einen Kalendermonat lang gelten – in allen Nahverkehrsmitteln im gesamten Bundesgebiet. Dazu zählen Busse ebenso wie U-, S- und Straßenbahnen, Regionalzüge sowie viele Fähren. Nicht nur Neueinsteiger, die Busse und Bahnen bisher nicht oder nur selten nutzen, sind angesprochen. Auch Stammkunden profitieren.

Abonnenten können sich auf eine Rückerstattung freuen

Wenn das Sonderangebot eingeführt wird, müssen sie nicht von sich aus tätig werden, betonte Wolff. Im Gegenteil: Bei dem geplanten Treuebonus für Abokunden werden sie automatisch etwas hinzubekommen – der Geltungsbereich ihres bestehenden Tickets wird auf das gesamte Land erweitert.

Wer zum Beispiel bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) oder der S-Bahn Berlin ein Umweltkarten-Abo für das Stadtgebiet Berlin erworben hat, darf damit in den drei Monaten des Sonderangebots auch an die Ostsee oder in die Sächsische Schweiz fahren – oder noch weiter im Inland verreisen. Natürlich nicht mit dem Fernverkehr wie dem Intercity Express (ICE) der Deutschen Bahn, auch nicht mit dem Flixtrain – aber mit allen Zügen, die zum Regionalverkehr zählen. Und wer in Hamburg die S-Bahn und in München die U-Bahn nutzen will, darf das auch. Das gilt für alle Stammkunden, zu denen Inhaber von Senioren- und Semestertickets ebenso zählen wie Jobticketkäufer.

„Abo-Kundinnen und -Kunden müssen sich um nichts kümmern, die Verrechnung läuft automatisch“, bekräftigte Oliver Wolff. Wer sein Jahresticket monatlich bezahlt, bekommt weniger Geld abgebucht. Wer den Jahresbetrag im Voraus gezahlt hat, erhält eine Rückerstattung. „Klar ist schon jetzt, dass bei dem abgeschlossenen Abo selbst alle Regelungen bestehen bleiben und nach dem Willen des Bundesverkehrsministeriums, der Länder und der Branche darüber hinaus die persönliche Fahrtberechtigung bundesweit gilt“, so der VDV-Hauptgeschäftsführer. Allerdings gilt das nur für den Abo-Nutzer selbst, stellte Wolff klar. Auch wenn das Ticket im ursprünglichen Geltungsbereich die kostenfreie Mitnahme von weiteren Fahrgästen, eines Hundes oder eines Fahrrads erlaubt – von dem geplanten Treuebonus wird dies nicht abgedeckt.

Nun muss erst einmal der Bund tätig werden

„Die Bus- und Bahnunternehmen Deutschlands arbeiten gemeinsam mit dem Bund und den Ländern intensiv an der Umsetzung des 9-Euro-Tickets zum kommenden 1. Juni“, sagte der Hauptgeschäftsführer des wichtigsten Verbands der Branche. „Es muss jetzt allerdings zeitnah vom Bund der entsprechende Rahmen geschaffen werden, der uns eine Umsetzung für den gesamten Nahverkehr in Deutschland als Teil des Entlastungspaketes der Bundesregierung erlaubt.“ Dem Vernehmen nach müssen sich das Bundesfinanz- und das Verkehrsministerium noch über Finanzierungsthemen einigen. Der Bund hatte zugesagt, die Kosten von 2,5 Milliarden Euro zu übernehmen. Auch der Bundesrat muss tätig werden, weil das Regionalisierungsmittelgesetz ergänzt werden muss. Dies soll am 20. Mai Thema in der Länderkammer sein.

„Das 9-Euro-Ticket wird für diejenigen, die bislang kein Abonnement haben, im Laufe des Mai vorrangig digital, aber auch in den Kundenzentren, oder an Automaten der Verkehrsunternehmen und Verkehrsverbünde verfügbar sein“, so Oliver Wolff. „Die Verkehrsunternehmen und Verkehrsverbünde werden, wenn die Details zwischen Bund und Ländern geklärt wurden und der notwendige gesetzliche Rahmen existiert, mit einer breiten Informationskampagne beginnen: Auf besserweiter.de wird es als bundesweite Ergänzung im Mai weiterführende Informationen geben, mit Möglichkeiten, das nächste Verkehrsunternehmen vor Ort oder den Verkehrsverbund zu finden.“  Tipp der Fachleute: Einfach immer mal wieder bei www.besserweiter.de hineinschauen!

Der VDV schätzt, dass rund 30 Millionen Fahrgäste das Sonderangebot nutzen werden. Beobachter erwarten, dass auf manchen Strecken die Regionalzüge überfüllt sein werden – zum Beispiel zwischen Berlin und der Ostsee, zwischen Hamburg und Sylt oder zwischen München und den Alpen. „Ja, es könnte auf manchen Verbindungen zu manchen Zeiten voll werden“, so VDV-Sprecher Eike Arnold. Doch in vielen Fällen hätten Fahrgäste die Möglichkeit, auf andere Züge auszuweichen.