Berlin - In Städten wie Berlin, Frankfurt am Main oder Köln ist dies ein gewohnter Anblick: Dutzende Menschen drängeln sich vor dem Eingang eines Mehrfamilienhauses. Irgendwann fährt jemand in einer schwarzen Limousine vor, schließt das Haus und eine Wohnung auf, erklärt ein paar Dinge und sammelt anschließend Fragebögen von den Miet-Interessenten ein.

Wer das Glück hat, den Zuschlag zu bekommen, erhält recht bald auch die Rechnung: Bis zu zwei Netto-Kaltmieten Provision zuzüglich Mehrwertsteuer dürfen Immobilienmakler für die Vermittlung von Mietwohnungen kassieren. Das summiert sich schnell auf einige tausend Euro – wobei viele Verbraucher den Eindruck haben, dass der Preis in keinem Verhältnis zur tatsächlich erbrachten Leistung der Makler steht.

Es gibt hierzulande viele Vermittler, die aufs schnelle Geld aus sind und an der Wohnungsnot in Großstädten prächtig verdienen. Doch damit dürfte bald Schluss sein. Zum 1. Juni dieses Jahres tritt neben dem Gesetz zur Mietpreisbremse auch das so genannte Bestellerprinzip im Maklerrecht in Kraft. Künftig gilt bundesweit bei Wohnungsvermittlungen das gleiche wie bei jeder Dorfhochzeit: Wer die Musik bestellt, muss auch bezahlen. „Eigentlich ist das nichts anderes als eine überfällige Selbstverständlichkeit“, sagt Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD).

Bei Verstoß droht ein saftiges Bußgeld

Bislang beauftragen in engen Wohnungsmärkten in der Regel die Vermieter den Makler, am Ende wird aber der Mieter zur Kasse gebeten. Der kann sich nicht wehren - denn spielt er nicht mit, bekommt jemand anderes die Wohnung. Künftig gilt: Zu zahlen hat immer derjenige, der den Vermittler tatsächlich engagiert hat. Also entweder der Vermieter oder der Mieter. Versucht ein Vermieter, seine eigene Maklerrechnung doch noch irgendwie auf den Mieter abzuwälzen, muss er mit einem Bußgeld von bis zu 25.000 Euro rechnen.

Für viele gewerbliche Vermittler von Immobilien in Deutschland wird die Neuregelung voraussichtlich dramatische Folgen haben. Über ein Jahr lang waren die Makler-Lobbys gegen das neue Gesetz zu Felde gezogen, verhindern konnten sie es aber nicht. Die Bundesregierung geht selbst davon aus, dass die Umsätze der Vermittler sinken werden. Die Rede ist von einem Rückgang um 310 Millionen Euro pro Jahr. Das ist viel Geld. Allerdings kamen die 38000 hiesigen Maklerfirmen zuletzt auf einen Gesamtumsatz von 17,1 Milliarden Euro. Das zeigt, dass keineswegs ein kompletter Berufsstand vor dem Aus steht. So sah es vor wenigen Tagen auch das Bundesverfassungsgericht, das den Antrag von zwei Maklern ablehnte, das neue Gesetz per einstweiliger Anordnung zu stoppen.

Nicht betroffen: Vermietung von Büros, Läden und anderen Gewerbeimmobilien

Wer als Vermieter künftig eine Wohnung zu vergeben hat, wird sich genau überlegen, ob er dafür einen Makler einschaltet und dessen Provision bezahlt. Vermutlich werden viel mehr Vermieter als bisher versuchen, auf eigene Faust einen neuen Mieter zu finden. Dank des Internets ist es heute viel einfacher als in der Vergangenheit, eine Wohnung zu inserieren und auch schon eine Vorauswahl unter potenziellen Interessenten zu treffen.

Das Nachsehen werden voraussichtlich jene Makler haben, die außer ein paar Mietwohnungen wenig anzubieten haben und ihren Kunden auch nur ein Minimum an Service und Beratung offerieren. Es ist gut möglich, dass in diesem Segment in den kommenden Monaten und Jahren massenweise Anbieter vom Markt verschwinden. Besser sieht es für hoch spezialisierte Vermittlungsfirmen aus und solche, die breiter aufgestellt sind. Das Geschäft mit Mietwohnungen ist schließlich nur ein Teil des Immobilienmarkts.

Nicht betroffen vom neuen Gesetz ist die Vermietung von Büros, Läden und anderen Gewerbeimmobilien. Und auch wenn Wohnungen oder Häuser zum Verkauf stehen, kann die Courtage wie bisher vom Käufer verlangt werden.