Black-Lives-Matter-Demonstration in New York
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Die vergangenen Monate waren verwirrend. Schließlich konnte niemand genau sagen, wie sich das Coronavirus verbreitet. In einer Sache herrschte aber Konsens: In der Überzeugung, dass der moralische Tiefpunkt der Corona-Krise die Gummiboot-Demo vor dem Kreuzberger Urban-Krankenhaus war, in der Raver in eng besetzten Schlauchbooten für die Öffnung der Clubs protestierten und sich dabei blöd stellten hinsichtlich der Infektionsgefahr – von der tragischen Symbolkraft mal abgesehen. Wer auch nur ein bisschen Sympathie für die zwangsquarantierten Feierwütigen hegte, war plötzlich von allem Mitleid befreit.

New York macht jetzt vor, wie es richtig geht. Denn seit der Ermordung von George Floyd und dem Zuwachs von Black-Lives-Matter-Demonstrationen schwirrt die Frage im Raum, wie man kraftvoll protestieren kann, ohne das Virus zu verbreiten. Ein paar Auswege scheinen sich anzudeuten. Diese Woche vermeldete die New York Times, dass die Proteste in New York zu keinen nennenswerten Ansteckungen geführt haben, weil die Demonstranten vielfach Masken trugen, sich immerzu fortbewegten und wahrscheinlich noch ein bisschen Glück dabei hatten.

Um das Risiko weiter zu verringen, wird jetzt eine andere Form des Protests geprobt: die Fahrrad-Demo. Die Black-Lives-Matter-Aktivisten fahren mit ihren Rädern durch die Stadt, schwenken Flaggen, skandieren ihre Forderungen und lassen alle Aerosol-Sorgen vom Winde verwehen. Aber nicht nur das: Auch die Gruppendynamik wird gestärkt. Denn auf den Fahrrädern fühle man sich „wie Teile einer Kavallerie“, so ein Demonstrant zu einem Reporter.

Berlin hat jetzt neue Fahrradwege bekommen. Es wird Zeit, sie ähnlich zu nutzen. Denn Fahrrad-Demos sind nicht nur ökologisch unbedenklich und Covid-19-neutral, sie dienen auch einem weiteren guten Zweck: der stillen Forderung, dass es noch mehr Fahrradwege braucht. Wie würde der Amerikaner sagen? „Win-win!“