Noch sind die Mietfahrräder von Nextbike in Berlin eher selten zu sehen. Doch das will das Unternehmen, das in 14 Staaten und bald auch in den USA aktiv ist, ändern. „Wir möchten uns in Berlin stärker engagieren“, sagte Firmensprecherin Mareike Rauchhaus der Berliner Zeitung. Nextbike will mehr Räder aufstellen, die meisten auf Straßen und Plätzen – so, wie es beim Konkurrenten Call a Bike noch bis 2011 üblich war. „Das ist kundenfreundlicher, als Fahrräder nur an Stationen zu konzentrieren“, so Rauchhaus.

Noch beherrschen die 1750 rot und grau lackierten Mieträder von Call a Bike das Straßenbild. Doch nun droht dem Unternehmen der Deutschen Bahn (DB) auch in Berlin massiver Wettbewerb. Herausforderer ist die Firma Nextbike, die allein in Deutschland in mehr als 30 Städten rund 10.000 Mieträder anbietet.

Ohne einen Cent Steuergeld

Mit rund 300 Fahrrädern gehört Berlin derzeit zu den kleinen Standorten. „Doch wir könnten uns vorstellen, künftig rund 2000 Räder innerhalb des S-Bahn-Rings aufzustellen“, sagte Rauchhaus. Geplant sei ein Mischsystem. Die meisten Räder sollen an Straßenecken verteilt werden, Anmietung und Rückgabe an jedem Ort möglich sein – anders als bei Call a Bike. Das erspart den Kunden Wege. Nextbike plane aber auch Mietstationen, an denen Räder bereitstehen – zum Beispiel vor Bahnhöfen. Stationen nutzen nicht nur Fahrgästen, die weiter fahren wollen. Die Infoterminals helfen auch Neukunden, mit dem System zurecht zu kommen.

Die Steuerzahler würden ebenfalls profitieren. Schon jetzt bietet Nextbike Mieträder in Berlin ohne Zuwendungen vom Staat an. Auch die Ausweitung des Angebots wäre möglich, ohne Steuergeld in Anspruch zu nehmen, so Rauchhaus. „Wir sind in der Lage, den Betrieb eigenwirtschaftlich zu gestalten.“

Nextbike kassiert von seinen Nutzern Geld – meist aber weniger als Call a Bike. In Deutschland wird für jede halbe Stunde ein Euro fällig. Wer eine Jahrespauschale von 36 Euro zahlt, radelt jeweils während der ersten halben Stunde gratis. Rund die Hälfte seiner Umsätze erzielt das 2004 gegründete Leipziger Unternehmen, an dem die Firma Wall zu 25,1 Prozent beteiligt ist, aber auf anderem Weg: mit der Vermietung von Werbeflächen an den Fahrrädern. Es hat sich noch eine weitere Einnahmequelle erschlossen: Dienstfahrräder. Zu den Kunden gehören die Bertelsmann-Stiftung und die Deutsche Bank.

Nextbike bietet auch Hochschulen Fahrradflotten an. Rauchhaus: „Mit der Uni Potsdam und der Ruhr-Universität Bochum arbeiten wir bereits zusammen.“ Bevor jedoch Nextbike seine Aktivitäten in Berlin ausweite, müsse sich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung positionieren: Wie geht es weiter mit dem öffentlichen Mietradsystem? Wie berichtet endet der Vertrag des Senats mit Call a Bike zum 31. Dezember. Für die nächsten fünf Jahre stehen sieben Millionen Euro aus dem Landeshaushalt bereit. Doch klar ist derzeit nicht einmal, ob der neue Auftrag ausgeschrieben wird.

Beschwerde bei der EU in Brüssel

„Wenn es eine Ausschreibung gibt, nehmen wir gern teil“, teilte Rauchhaus mit. Aber wie gesagt: Ein Mietradsystem wäre auch ohne Geld vom Staat möglich – anders als beim DB-Unternehmen Call a Bike, das vier Millionen Euro kassiert habe. Um die Zuwendungspraxis in Berlin überprüfen zu lassen, hat Nextbike 2013 eine Beschwerde bei Europäischen Kommission eingereicht.

„Der Vertrag mit Call a Bike endet bald, der Senat hätte längst etwas unternehmen müssen“, sagte Engelbert Recker, Hauptgeschäftsführer des Privatbahnverbands Mofair. „Wie bei der S-Bahn lässt er die Sache schlampen. Er wird der DB wohl auch hier einen Übergangsvertrag zuschustern.“ Wenn der Senat Zuwendungen zahlen will, müsse er ausschreiben: „Wir fordern ein transparentes Vergabeverfahren.“