Dort, wo einst eines der weltweit größten Wandbilder naiver Malerei prangte, gibt es jetzt nur noch einen schlichten weißen Giebel: Das Fassadengemälde „Nicaraguanisches Dorf – Monimbo 1978“ am Haus Skandinavische Straße 26 musste aus Sicherheitsgründen abgetragen werden. Denn von der Giebelwand des Gebäudes nahe der Lichtenberger Brücke waren seit Ende vergangenen Jahres große Stücken Putz abgeplatzt. Sie trafen Autos und Passanten. Hauseigentümer, Farbhersteller und Fassadensanierer streiten sich jetzt, wer für den Schaden und die Sanierungskosten aufkommen muss.

Alltag und Kampf der Indios

28 Jahre lang war das rund 255 Quadratmeter große Giebel-Kunstwerk ein Lichtenberger Wahrzeichen. Im Auftrag des Ost-Berliner Magistrats hatte der nicaraguanische Maler Manuel Garcia Moia (77) 1985 die Wand gestaltet. Das Bild zeigte sein Heimatdorf Monimbo, wo fast ausschließlich Indianer wohnten. 1978 wurde es durch das damals herrschende Somoza-Regime nach einem Aufstand dem Erdboden gleichgemacht. Hunderte Menschen, vor allem Frauen, Kinder und Alte, fanden dabei den Tod. Moias Bild erzählt vom Alltagsleben und vom Kampf der Indios.

2005 schrieb der US-amerikanische Kunstprofessor David Kunzle (University of California) in einem Brief an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD): „Als Antikriegsbild ist es Zeugnis einer außerordentlich kreativen Kunstperiode der Wandmalerei in Lateinamerika.“ Bereits damals musste das Gemälde erneuert werden, weil der Hauseigentümer die Fassade energetisch sanierte. Dabei verschwand das Originalbild unter dem Wärmedämm-Verbundsystem, von zwei Malern wurde eine Kopie für die Giebelwand angefertigt. Eine Bürgerinitiative hatte dafür gesammelt, es gab Stifter und Sponsoren. Rund 100 000 Euro kamen so zusammen. Am 30. September 2005 konnte das erneuerte Wandbild übergeben werden, wenig später erhielt die Fläche zwischen Lichtenberger Brücke und Kunstwerk den Namen Monimbo-Platz. Das Wandbild wurde in den Abend- und Nachtstunden durch vier Bodenscheinwerfer angestrahlt.

Lichtenbergs Bürgermeister Andreas Geisel hofft, dass das Kunstwerk so schnell wie möglich wiederhergestellt wird: „Es prägt schließlich das Stadtbild in der Gegend um den Bahnhof Lichtenberg.“ Obwohl der Bezirk nicht verantwortlich dafür ist, hat Geisel deshalb am 19. August alle streitenden Parteien ins Rathaus eingeladen. „Ich will vermitteln, damit wir eine gute Lösung finden, um einen jahrelangen Rechtsstreit zu vermeiden“, sagt er. Er sei vorsichtig optimistisch, dass das gelingt. Die Kosten für die Wiederherstellung des Wandbildes beziffert Geisel mit etwa 150 000 Euro. Er strebt einen Vergleich an: „Alle Parteien sollten einen Teil der Sanierungskosten übernehmen“, sagt er. Er hofft, dass 2014 das Gemälde wieder aufgetragen werden kann.