Berlin - Tja, das war wohl nicht mehr als ein schlechter PR-Gag. Als sich Vonovia und Deutsche Wohnen im Mai vergangenen Jahres dazu verpflichteten, im Zuge ihrer Fusion die regulären Mieterhöhungen über ihren Berliner Bestand in den nächsten drei Jahren auf ein Prozent jährlich zu begrenzen, hörte sich das für gutgläubige Menschen nach einer freundlichen Geste in einer harten Zeit an. Kritiker bemerkten allerdings schon damals, dass dies im Einzelfall auf Mieterhöhungen bis zu 15 Prozent hinauslaufen könne. Heute, knapp neun Monate später, lässt sich feststellen, dass die Kritiker recht behalten haben.

In dem Fall, der dieser Zeitung bekannt wurde, hat die Mieterin von der Vonovia eine Erhöhung um 15 Prozent erhalten, aufgeteilt in zwei Schritte. Auf 50 Euro monatlich zum 1. April dieses Jahres und auf weitere rund 46 Euro zum 1. April 2023. Macht zusammen rund 96 Euro monatlich mehr Miete ab April 2023. Die Zusage, die Mieten über den gesamten Berliner Wohnungsbestand um höchstens ein Prozent jährlich raufzusetzen, bringt der Mieterin also rein gar nichts. Sie hat die rechtlich maximal zulässige Erhöhung erhalten. Und mit ihr alle weiteren Betroffenen, die das gleiche Schicksal teilen.

Damit wird klar, dass das Versprechen zur Mietbegrenzung vor allem eines war: der Versuch, die Mieter in einer aufgeregten Zeit zu beruhigen, ohne ihnen die Reichweite des Versprechens zu offenbaren. Von der Deutsche Wohnen sind bisher nur Mieterhöhungen um bis zu zehn Prozent bekannt. Sie greift also nicht ganz so stark in die Kasse ihrer Mieter wie die Vonovia, aber zurückhaltend ist sie nicht. Aus Sicht der Mieter bleibt festzuhalten, dass sie auf freundlich klingende Zusagen nicht viel geben können. Und die Politik muss erkennen, dass es mit der sozialen Verantwortung der Konzerne nicht weit her ist.