Die Redaktion von Jan Böhmermann ließ Monate verstreichen, bis sie bei der Polizei nachhakte, was denn aus den Anzeigen verschiedener Hasskommentare im Internet geworden ist. Genauso wie ich.

Als ich Böhmermanns Sendung „ZDF Magazin Royale“ am Samstag verfolgte, fiel es mir wieder ein: Ich hatte ja auch jemanden wegen Hatespeech angezeigt. Letztes Jahr im August. Was ist eigentlich daraus geworden?

In einem Artikel hatte ich darüber berichtet, wie man Rassismus bekämpfen kann. Ein Leser hatte mich nach einer freundlichen Konversation zu einem völlig anderen Thema offenbar gegoogelt und daraufhin geschrieben: „Und die Frage ist nicht, wie wird man Rassismus los? Sondern wie werden wir Gestalten wie dich wieder los? Verpiss dich in dein Taka-Tuka-Land!!!“

Ich ahnte, dass es unwahrscheinlich ist, dass der oder die Mail-Schreiberin bestraft wird. Allerdings wollte ich wenigstens erreichen, dass der Fall in die Kriminalstatistik eingeht. Wenn niemand Hatespeech anzeigt, hat auch niemand einen Überblick darüber, wie groß das Problem tatsächlich ist.

IP-Adresse des Absenders? Längst selbst ermittelt

Um den Behörden unter die Arme zu greifen, fand ich selbst heraus, wie man die IP-Adresse des Absenders mithilfe der erhaltenen E-Mail ermittelt. Die Daten druckte ich aus und schickte sie zusammen mit der Anzeige an die Berliner Polizei. Sechs Wochen später, Ende August, bekam ich eine E-Mail vom Landeskriminalamt (LKA), mit der Frage, ob ich die E-Mail noch mal weiterleiten könne. Das habe ich getan.

Danach hörte ich nichts mehr.

Manchmal dachte ich noch an den Vorfall. Ich nahm an, dass die Polizei ihn längst zu den Akten gelegt hatte. Jan Böhmermann erinnerte mich mit seiner Sendung daran, dass das Internet wirklich kein rechtsfreier Raum sein sollte – und ich der Sache nachgehen.

Also hielt ich den Stream an, um dem LKA zu schreiben. Am Montag erhielt ich eine Antwort: Die Ermittlungen dauern an.

Die Beamten hatten wohl kurz vor Silvester noch einmal nach meinen Daten gefragt. Die Mail war untergegangen. Meinen Namen hatte ich längst an die Polizei geschickt. Die Absenderadresse schreibe ich normalerweise immer auf den Umschlag. Die Beamten hätten gern bereits bei der ersten Kontaktaufnahme im August oder später per Brief nach meinem Geburtsdatum fragen können. Notfalls an den Verlag. Briefe gehen nicht unter.

Was, wenn man anonym Anzeige erstattet?

Zudem dürfte mein fehlendes Geburtsdatum die Polizei kaum daran gehindert haben, die Daten des Absenders der Hass-Nachricht an mich zu ermitteln. Anzeigen kann man auch anonym erstatten. Wird dann gar nicht ermittelt?

Es ist kaum zu glauben, dass es bei der Polizei mehr als neun Monate dauert, jemanden zu finden, dessen IP-Adresse ich bereits mitgeliefert habe. Auch wegen der Anzeige von Böhmermann ermitteln die Berliner Behörden allerdings immer noch – obwohl einer der Tatverdächtigen mit Klarnamen und Fotos auf Facebook kommentiert hat.

Aber gut: Mein Geburtsdatum hat die Polizei nun. Natürlich habe ich sofort alle Daten und Kontaktinformationen übermittelt. Und warte wieder gespannt.