Köln - Eltern wollen nur das beste für ihr Kind und damit oft auch einen ausgefallenen Namen. Das Baby ist schließlich einzigartig! Sie meinen es ja nur gut – dennoch sollten Eltern sich die Frage stellen, wie der Name des Kindes dessen Leben beeinflussen könnte. Denn schon in der Schulzeit ruft der Name des Kindes bei den Lehrern positive oder negative Assoziationen hervor. Und Untersuchungen zeigen, auch im Erwachsenenalter hat der Vorname Einfluss auf die Lebensentwicklung.

„Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose“

Wer will sein Kind schon dem Phänomen aussetzen, das in Medien und Fachkreisen oft als „Kevinismus“ bezeichnet wird. Der Spruch „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose!“ stammt aus einer Untersuchung von Wissenschaftlerinnen der Universität in Oldenburg. Die Studie zeigte, dass Lehrerinnen und Lehrer Namen wie Chantal, Mandy, Justin, Maurice oder eben Kevin eher mit Leistungsschwäche und Verhaltensauffälligkeit assoziierten.

Vorurteile gegenüber Namen könnten negatives Verhalten herbeiführen

Als freundlicher, leistungsstärker und verhaltensunauffälliger, so die Forscherinnen, schätzten die Pädagogen Mädchen mit Vornamen wie Charlotte, Marie oder Sophie und Jungen mit Namen wie Alexander, Lukas oder Jakob ein. Vorurteile gegenüber bestimmten Namen können zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden: Kindern, denen man nur aufgrund ihres Namens mit einer negativen Haltung begegnen, erfüllen diese negative Erwartung oft unbewusst. Ein Teufelskreis, sind sich Experten sicher.

Mandy und Kevin sind zumindest in englischsprachigen Ländern keine ungewöhnlichen Namen. Möglichst ausgefallen soll aber der Nachwuchs vieler Promis heißen. Gwen Stefanis drittes Kind zum Beispiel hört auf den Namen „Zuma Nesta Rock“, US-Rapperin Lil' Kim nannte ihre Tochter „Royal Reign“ (königliche Herrschaft) und Star-Koch Jamie Oliver wählte den Namen „Petal Blossom Rainbow“ (Blatt Blüte Regenbogen) für eines seiner Kinder.

Menschen mit gewöhnlichem Namen haben es im Leben leichter

Ob ein Name ausgefallen ist und dementsprechend selten vorkommt, scheint ebenfalls ein Faktor zu sein, der das Leben eines Kindes nachhaltig beeinflussen kann. Laut einer berühmten Untersuchung von zwei Harvard-Professoren aus dem Jahr 1948 haben es Studenten mit häufig vorkommenden Namen einfacher als solche, die von ihren Eltern mit exotischeren Namen bedacht wurden. Wer einen gewöhnlichen Namen trug, brach zum Beispiel sein Studium weniger wahrscheinlich ab und hatte ein geringeres Risiko, Symptome einer Neurose zu entwickeln, schreibt der New Yorker über die Ergebnisse der Studie.

Kevin und Chantal haben weniger Chancen auf Partnerbörsen-Plattformen

Unter Umständen beeinträchtigen bestimmte Namen sogar die Partnersuche: Eine Studie von Psychologen der Humboldt-Universität in Berlin will herausgefunden haben, dass die Namen „Kevin“ und „Chantal“ die Dating-Chancen auf Partnerbörsen-Plattformen im Netz beträchtlich schrumpfen lassen können.

Das Gemeine daran ist natürlich, dass niemand etwas für seinen Vornamen kann. Besonders problematisch ist das für Betroffene im Kindesalter. Und es sieht auch nicht so aus, als wären die Vorurteile bald überwunden. Deshalb sollten sich Eltern wohl besser zweimal überlegen, ob sie ihr Kind dem „Kevinismus“ aussetzen oder es nach einer Obstsorte benennen wollen. (mar)