Jacobsohn und der 13-jährige Willy Czerwinski, der den als vermeintlichen Mörder gesuchten Reporter am 21. November 1919 in der Gegend der Hasenheide stellte.
Foto: Ullstein Bild

Das Kaiserreich war zerfallen und mit ihm offenbar auch der letzte Rest von Kultur und Sitten: „Die Unsicherheit in Berlin“, klagte die „Berliner Morgenpost“, „hat trotz aller Gegenmaßnahmen der Behörde in keiner Weise nachgelassen.“ Alltäglich, so das Blatt weiter, ereigneten sich Raubüberfälle auf offener Straße, in dicht bewohnten Mietshäusern und sogar in Hotels, ohne dass es in der Regel möglich sei, die Täter zu fangen und zur Rechenschaft zu ziehen.

Wer am 13. November 1919 die schon damals liebevoll „Mottenpost“ gerufene Zeitung las, konnte meinen, er wohne in der Welthauptstadt des Verbrechens oder mindestens im Sündenpfuhl des Deutschen Reichs. In Wirklichkeit war die Bedrohung eher eine gefühlte: Wie heute war Berlin seinerzeit ein Sehnsuchtsort, Kreative, aber auch Verfemte aus dem ganzen Land strömten in die Stadt, dazu Hunderttausende aus Russland, Kaukasien und dem untergegangenen habsburgischen Imperium. Und besorgte Einheimische fürchteten um ihren Platz, wenn nicht gar um den Fortbestand des christlichen Abendlandes.

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