Berlin - Der Berliner Landesverband der AfD gilt als einer der liberaleren, sein Vorsitzender Georg Pazderski betont gern, dass er viele Muslime zu seinen Freunden zähle. Am Donnerstag begrüßte er jedoch im Rahmen einer eigens anberaumten Pressekonferenz einen erklärten Islamfeind als Mitglied, der aufgrund seiner Äußerungen eigentlich gar nicht hätte aufgenommen werden dürfen.

Es handelt sich um Nicolaus Fest, der bis 2014 Vize-Chefredakteur der Bild am Sonntag war. Kurz vor dem Ende dieser Tätigkeit hatte Fest in einem Kommentar Muslimen die Fähigkeit zur Integration abgesprochen, was den Presserat zu einer Rüge und die übrige Chefredaktion der Bild-Zeitung zu einer Distanzierung veranlasste. Nach eigenem Bekunden verließ Fest den Axel-Springer-Verlag auf eigenen Wunsch.

Fest wendet sich gegen das Grundgesetz

Auch bei der Aufnahmezeremonie am Donnerstag im Haus der Bundespressekonferenz äußerte er sich zum Islam. Dieser sei für ihn eine totalitäre Bewegung, die dem Stalinismus nahesteht. „Ich wäre dafür, dass man sämtliche Moscheen schließt“, sagte Fest. Auf Nachfrage wiederholte er diese Aussage.

Fest wendet sich damit gegen Artikel 4, Absatz 2 des Grundgesetzes, der festschreibt: „Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.“ Seine Einlassungen sind auch ein Verstoß gegen die Satzung der AfD, die eine „Bejahung der Grundrechte“ von den Mitgliedern fordert. Der Jurist Fest erkennt jedoch keinen Widerspruch, da es sich ja beim Islam nach seiner Überzeugung nicht um eine Religion handelt.

Pazderski preist Fest als "Vordenker"

Pazderski, der während der Pressekonferenz neben Fest saß, schien von dessen Äußerungen überrascht, distanzierte sich aber nicht klar. „Wir stehen nicht für Denkverbote“, sagte er. Vor der Aufnahme Fests hatte er persönlich Gespräche mit ihm geführt. Zu Beginn der Veranstaltung, an der rund fünfzig Journalisten teilnahmen, pries er ihn als „Vordenker“.

In der AfD strebt Fest nach eigenem Bekunden zunächst keine Funktionen oder Mandate an. „Die Parteifreunde kennen mich noch nicht, und ich kenne sie noch nicht“, sagte er. Überhaupt sei es Sache der Partei, ihn gegebenenfalls zu nominieren. „Aber das ist ja erst im Frühjahr fällig.“ Einem Bundestagsmandat ist Fest also offenbar nicht abgeneigt.