Sie wollen normal aussehen und niemanden provozieren: Junge Leute wollen am Sonntagnachmittag ohne Hosen in U- und S-Bahn durch die Stadt fahren. No Pants Subway Ride heißt der weltweite Aktionstag.

In Berlin rechnen die Organisatoren mit etwa 200 Leuten. Sie wollen stundenlang in den Bahnen der Linien U 5 und U 2 unterwegs sein. „Das wird keine Spaßfahrt, in der wir zeigen wollen, wie cool wir sind. Das ist ein lustiges Schauspiel in der Öffentlichkeit, so wie ein improvisiertes Straßentheater“, sagt Marten Schälicke. Der 26-jährige Student für Digitale Medien bereitet den Aktionstag gemeinsam mit Mareike Hebrock vor, einer 28-jährigen Juristin.

New Yorker Erfindung

Den No Pants Subway Ride hat sich der New Yorker Schauspieler Charlie Todd ausgedacht. Als eine Art Guerilla-Straßentheater fuhr er im Jahr 2002 zum ersten Mal mit einigen Freunden mitten im Winter ohne Hosen in der U-Bahn. Die Schauspielgruppe „Improv Everywhere“ hatte sich vorgenommen, auf die Mitfahrenden ganz normal und alltäglich zu wirken. Todd erklärte, er wolle auf harmlose Art und Weise den Alltagsrhythmus durchbrechen und die Menschen dazu bringen zu interagieren. Seine Idee wurde schnell bekannt. Mittlerweile findet der Aktionstag in 60 Städten in 25 Ländern statt, in diesem Jahr auch zum fünften Mal in Berlin.

Für alle Teilnehmer – auf Facebook gibt es mehr als 5000 Zusagen, aber was heißt das schon – haben die Organisatoren klare Regeln festgelegt. „Keinesfalls möchten wir provozieren oder nur uns selbst bespaßen“, sagt Marten Schälicke. Für die Aktion brauchen die Teilnehmer einen Rucksack, um darin ihre Hosen zu verstauen und einen gültigen Fahrschein. Unter 18-Jährige müssen eine Genehmigung ihrer Eltern vorlegen.

Keine Strings und Rüssel-Slips

Die Unterwäsche soll angemessen und keine Reizwäsche sein („Nur keine Strings und Rüssel-Slips!“). Manche ziehen sich schick an, tragen einen Anzug, aber keine Hose. Während der Fahrt sollen die Teilnehmer nicht als Gruppe erkennbar sein, die sich abgesprochen hat. Wer angesprochen wird, könne antworten, die Hose habe gekratzt oder sei zu unbequem. Sorge vor sexuellen Übergriffen, wie sie zu Silvester in Köln und Hamburg geschahen, sehen die Organisatoren nicht. „In all den Jahren ist noch nie etwas Derartiges passiert“, sagt Marten Schälicke.

Die Berliner Verkehrsbetriebe reagieren gelassen. „Fahrgäste können tragen, was sie wollen, solange sie sich gut und wohl fühlen“, sagt eine Sprecherin. „Und solange sie eine Fahrkarte haben.“

Alle Infos zum Aktionstag unter www.mar-mar.de