Noch ein Projekt auf der Kippe: Fahren nie wieder S-Bahnen nach Falkensee?

Die geplante Strecke in den Stadtteil Finkenkrug würde sich nicht rechnen, sagen Gutachter. Bedenken gibt es auch gegen eine S-Bahn-Trasse nach Velten. 

S-Bahn-Züge in Spandau: Seit 1998 fährt die S-Bahn wieder in den westlichsten Berliner Bezirk. Fahrgastverbände fordern, die Strecke wieder bis Falkensee zu verlängern.
S-Bahn-Züge in Spandau: Seit 1998 fährt die S-Bahn wieder in den westlichsten Berliner Bezirk. Fahrgastverbände fordern, die Strecke wieder bis Falkensee zu verlängern.imago/Ralph Peters

Ein weiteres Schienenverkehrsprojekt in der Hauptstadt-Region steht auf der Kippe. Die geplante S-Bahn-Strecke in den Falkenseer Stadtteil Finkenkrug ist von Gutachtern als unwirtschaftlich eingestuft worden. Das teilte der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) am Mittwoch auf Anfrage mit. Dass zumindest zwischen Berlin-Spandau und Falkensee künftig wieder S-Bahnen fahren werden, gilt nach Informationen der Berliner Zeitung als unsicher. Auch um ein anderes S-Bahn-Projekt steht es offenbar nicht gut.

Berlin, Brandenburg und die Deutsche Bahn (DB) haben sich auf ein ambitioniertes Vorhaben verständigt. Projekt i2030: So heißt das Investitionsprogramm, das den  Schienenverkehr in der Region für neun Milliarden Euro verbessern soll. Finanziell ist es nur zu stemmen, wenn der Bund viel Geld beisteuert. Förderfähig sind die Projekte aber erst dann, wenn Gutachter bestätigen, dass der Nutzen die Aufwendungen übersteigt. In jedem einzelnen Fall ist eine Nutzen-Kosten-Untersuchung, kurz NKU, erforderlich.

Mögliches Einzugsgebiet in der Stadt Falkensee ist zu dünn besiedelt

Wie berichtet hat das Projekt, die S2 südlich von Berlin von Blankenfelde nach Rangsdorf zu verlängern, die Prüfung nicht bestanden. Nun wurde im Mobilitätsausschuss des Abgeordnetenhauses bekannt, dass auch die S-Bahn nach Finkenkrug durchgefallen ist.

„Es wurde eine NKU-Ersteinschätzung durchgeführt mit negativem Ergebnis, und zwar ausschließlich für den Abschnitt Falkensee – Finkenkrug. Dieser Abschnitt wird daher nicht weiterverfolgt“, sagte Elke Krokowski, Sprecherin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB). Falkensee sei verhältnismäßig dünn besiedelt, erklärte Hartmut Reupke, der die Abteilung Verkehr in der Senatsverwaltung für Mobilität leitet.

Zudem gebe es auf dieser Verbindung bereits ein „leistungsstarkes Angebot im Regionalverkehr“, sagte er am Mittwoch im Mobilitätsausschuss. Anders formuliert: Weil viele Menschen weiterhin die schnellen Regionalzüge zwischen dem Havelland und Berlin nutzen werden, blieben für eine S-Bahn nicht genug Fahrgäste übrig. 

Zehn Jahre lang fuhren bereits S-Bahnen zwischen Spandau und Falkensee

Bisher bezog sich das S-Bahn-Projekt auf den gesamten Abschnitt zwischen Spandau und Finkenkrug. „Mit unseren Partnern sprechen wir darüber, ob eine Verkürzung der S-Bahn-Strecke zu einem besseren Ergebnis führen würde“, so Reupke. Im Lenkungskreis i2030 war bereits von Falkensee, das 45.000 Einwohner hat, als möglichem Endpunkt die Rede. Dort endete die 6,6 Kilometer lange S-Bahnstrecke, die 1951 zwischen dem West-Berliner Bezirk Spandau und Falkensee (damals in der DDR) eröffnet worden war. Mit Beginn des Mauerbaus in der Nacht zum 13. August 1961 wurde der Betrieb eingestellt.

„Die S-Bahn von Spandau bis Falkensee wird weiterhin betrachtet“, bestätigte VBB-Sprecherin Krokowski am Mittwoch. Nach Informationen der Berliner Zeitung gelten die fachlichen Einwände aber auch für diesen Abschnitt. Falkensee sei dünn besiedelt und schon heute gut mit Regionalzügen erreichbar. Hinzu kommt, dass der S-Bahn-Bau kostspielig würde. So käme die Bebauung in Spandau der Trasse teilweise zu nahe.

Nach der Wende wurde immer wieder gefordert, die S-Bahnverbindung nach Falkensee wiederherzustellen. Der Bund unterschrieb eine Vereinbarung, wonach das S-Bahn-Netz in seiner Ausdehnung kurz vor dem Mauerbau wiederhergestellt werden soll. Eine 2006 bekannt gewordene Untersuchung ergab einen Faktor von 1,5: Im Vergleich zu den Kosten wäre der Nutzen anderthalb Mal so hoch. Doch das heutige Brandenburger Infrastrukturministerium hält bis heute einen Ausbau des Regionalverkehrs für sinnvoller. Am Mittwoch wurde bekräftigt, dass die Streckenkapazität erhöht wird.

Auch die geplante S-Bahn nach Velten ist Gegenstand von Untersuchungen

Abteilungsleiter Reupke betonte auch, dass das Projekt, die Osthavelländische Eisenbahn vom Bahnhof Spandau bis zum Falkenhagener Feld zur S-Bahn auszubauen, beibehalten und beschleunigt werde. Wie berichtet gibt es Ideen, diese Strecke mit der Siemensbahn, die ab 2029 wieder befahren wird, zu einem S-Bahn-Ring zusammenzufügen.

Als drittes S-Bahn-Projekt ist die vorgesehene Verlängerung der S25 von Hennigsdorf nach Velten (13.000 Einwohner), die von vielen Bürgern verlangt wird, Gegenstand von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen. Wie die Berliner Zeitung erfuhr, mehren sich auch bei diesem i2030-Projekt die Argumente dafür, auf den Wiederaufbau zu verzichten.

Gute Bewertungen gibt es für die Version, die S-Bahn von Berlin nach Hennigsdorf zu ertüchtigen, sodass der Verkehr in Zukunft stabiler läuft und die S-Bahnen, die dort weiterhin tagsüber alle 20 Minuten fahren sollen, auf acht Wagen zu verlängern. Durch weitere Maßnahmen könnte der Regionalverkehr, der wie bisher in Hennigsdorf die Fahrgäste nach Velten übernehmen soll, ebenfalls gestärkt werden.