Die Zeit drängt. Bis zum nächsten Jahr muss Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) genug Flächen für den Bau von 194.000 Wohnungen bis zum Jahr 2030 nachweisen. Denn im Jahr 2018 soll der neue Stadtentwicklungsplan Wohnen fertig sein. Er gibt Auskunft darüber, wo die benötigten Wohnungen in der Hauptstadt errichtet werden können.

Das Problem: Noch gibt es nicht genug Flächen – und falls der Betrieb auf dem Flughafen Tegel weitergehen sollte, verliert Berlin sogar noch weitere Bauareale, die bisher fest eingeplant waren.

Für die nächsten Jahre reichen die Flächen für den Wohnungsneubau aus, sagte Lompscher am Dienstag bei der Vorstellung eines Zwischenberichts zum Stadtentwicklungsplan Wohnen. „Es ist aber auch erkennbar, dass die bisher bekannten Potenziale den Bedarf langfristig nicht decken.“ Die Lücke zu schließen, sei eine der wichtigen Aufgaben, die in der zweiten Arbeitsphase für den Stadtentwicklungsplan Wohnen bis zum nächsten Jahr erledigt werden soll.

In Berlin müssen bis zum Jahr 2030 rund 194.000 Wohnungen errichtet werden, um den Bedarf der wachsenden Stadt abzudecken. Doch bisher gibt es nur Flächen für den Bau von 179.000 Wohnungen. Es fehlen also Areale für 15.000 Wohnungen.

Elisabeth-Aue in Pankow werde nicht als Fläche für den Wohnungsbau benötigt

Sollte der Flugbetrieb in Tegel fortgesetzt werden, wie es die Mehrheit der Berliner beim Volksentscheid vom 24. September gefordert hat, gingen der Stadt Flächen für 5000 Wohnungen auf dem Airportareal und für 4000 Wohnungen in der unmittelbaren Umgebung verloren.

Darüber hinaus würde der Bau von mehreren tausend weiteren Wohnungen infrage gestellt, die im Vertrauen auf die baldige Schließung Tegels in der Einflugschneise geplant waren. Zum Beispiel in Gartenfeld.

Trotz der angespannten Situation sagte Stadtentwicklungssenatorin Lompscher, sie sei sich sicher, dass die Elisabeth-Aue in Pankow nicht als Fläche für den Wohnungsbau benötigt werde. Noch unter dem rot-schwarzen Senat war die Elisabeth-Aue als Standort für 5000 Wohnungen vorgesehen.

In den Koalitionsverhandlungen kamen SPD, Linke und Grüne aber überein, die Pläne in dieser Legislaturperiode nicht weiterzuverfolgen. Das Areal gilt aber noch als Potenzialgebiet. Die Opposition von CDU und FDP, die den Tegel-Volksentscheid unterstützten und damit für den Wegfall der dort geplanten Wohnungen mit verantwortlich wären, machen sich unterdessen für eine Bebauung der Elisabeth-Aue stark.

Bezahlbarer Wohnraum soll „für alle“ geschaffen werden

In Regierungskreisen hält man es aber für ausreichend, zunächst die Wohngebiete zu errichten, die im Koalitionsvertrag festgelegt sind. Das wären selbst ohne das Schumacher-Quartier in Tegel und ohne Gartenfeld noch neun Neubau-Quartiere mit Platz für etwa 30.000 Wohnungen. Die Quartiere sind unter anderem in Lichterfelde Süd, in Köpenick, in der Wasserstadt Oberhavel und in der Europa-City geplant.

Der Zwischenbericht zum Stadtentwicklungsplan Wohnen trifft zwar Aussagen zu Bauflächen und der Zahl der benötigten Wohnungen. Er enthält aber keine Festlegung zur Zahl der preiswerter Wohnungen. In einer von acht Leitlinien heißt es lediglich, dass bezahlbarer Wohnraum „für alle“ geschaffen und bewahrt werden soll.

Wie groß der Bedarf an preiswerten Wohnungen ist, zeigt sich daran, dass laut Wohnungsmarktbericht der Investitionsbank Berlin etwa jeder zweite Haushalt Anspruch auf eine Sozialwohnung hätte. Der Anteil der Sozialwohnungen unter den Neubauten ist jedoch verschwindend gering.

Im vergangenen Jahr wurden 13.659 Wohnungen in Berlin fertiggestellt, darunter aber nur 165 Sozialwohnungen. Nur sehr langsam werden es mehr. In diesem Jahr stehen Fördermittel für 3000 Sozialwohnungen zur Verfügung, im Jahr 2021 für 5000 Sozialwohnungen.