Viel zu verdienen gibt es in dieser Branche nicht. Trotzdem ist die Zahl der Taxis in Berlin auf einen neuen Rekordwert gestiegen. „Mit Stand vom 31. Januar waren in Berlin 7897 Taxis genehmigt“, teilte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Inneres mit. Sie werden von 3058 Taxiunternehmen betrieben.

Dass auf Berlins Straßen so viele Taxis unterwegs sind, bedeutet auch: Die Konkurrenz nimmt weiter zu. „Angesichts der Auslastung der Fahrzeuge ist die Zahl zu hoch“, sagt Detlev Freutel, der Vorsitzende des Taxi Verbands Berlin Brandenburg (TVB). „Im Durchschnitt sind Taxis nur ein Drittel der Zeit mit Fahrgästen unterwegs, nur dann verdienen sie Geld.“ Einen großen Teil der restlichen Zeit stehen sich die Autos „ an Halteplätzen die Räder eckig“.

Fünf-Sterne-Fahrer per App

Freutel gehört allerdings zu den wenigen Branchenvertretern, die nicht immer nur schwarz malen. „Dass die Spritpreise derzeit relativ niedrig sind, hilft uns ungemein“, berichtet er. Außerdem spüre auch die Taxibranche, dass es in Berlin wirtschaftlich aufwärts geht, immer mehr Touristen und Geschäftsleute in die Stadt kommen. „Unsere Geschäfte sind besser geworden“, sagt Freutel. Seit rund zweieinhalb Jahren steige die Zahl der Fahrgäste.

Der Mindestlohn „bedeutete für uns keinen Einschnitt“, so der Verbandschef. Die Erhöhung der Berliner Taxifahrpreise um durchschnittlich fast 14 Prozent im Juni 2015 habe fast keine Fahrgäste vergrault.

Alles Gründe, weshalb Freutel die Zukunft der Berliner Taxibranche unterm Strich positiv sieht. Das liege auch daran, dass sie inzwischen erkannt habe, wie wichtig eine gute Dienstleistungsqualität ist. „Im Grunde weiß jeder im Gewerbe, was der Fahrgast will: Er möchte besser gelaunt aus dem Taxi aussteigen, als er eingestiegen ist.“

Seit 2013 können Taxifahrer Weiterbildungskurse absolvieren. Dort lernen sie unter anderem, wie man sich gegenüber Fahrgästen verhält, und sie frischen ihre Kenntnisse über Gesetze sowie Verkehrsregeln auf. Weitere Themen sind Sauberkeit im Taxi und die angemessene Fahrweise. Initiator ist Hermann Waldner, Chef von Taxi Berlin, der größten Funkzentrale in Deutschland. Freutel ist einer der Dozenten.

Einfach seien die Kurse nicht: „Die Durchfallquote beträgt 25 Prozent.“ Rund 1300 Absolventen gab es bisher. Sie steuern die „Premium-Taxis“, die von Hotels und andere Großkunden bei Taxi Berlin bestellt werden können. Seit November muss jeder Fahrer, der neu anfängt und sich von der Zentrale vermitteln lassen will, die Kurse durchlaufen. Private Fahrgäste haben die Möglichkeit, mit der App taxi.eu versierte Fünf-Sterne-Fahrer zu bestellen. „So verbessern wir Schritt für Schritt die Qualität“, sagt Detlev Freutel. „Uns ist klar: Das Taxigewerbe kann sich nur selbst helfen.“