Berlin kennt Pop-up-Läden - Shops, die mal kurz eröffnen, um eine Geschäftsidee zu testen und danach wieder verschwinden. Was Berlin bisher nicht kannte, sind Pop-up-Bahnhöfe. Doch das ist seit diesem Wochenende anders: Da gab es zwischendurch plötzlich einen Bahnhof namens Nordkreuz - und dann verschwand er wieder.

Aber von vorne: Wer am Wochenende auf dem Bahnhof Gesundbrunnen aufmerksam die Schilder las, konnte unter dem offiziellen Namen auch klar und deutlich den Hinweis „Nordkreuz“ lesen. 

Und so mancher Fahrgast reagierte durchaus überrascht: Hat die Deutsche Bahn etwa klammheimlich den Bahnhof umgetauft? Sonst geht so eine Umbenennung doch mit viel Tamtam einher.

2005 sollte Gesundbrunnen in Nordkreuz umbenannt werden

Mancher erinnerte sich vielleicht  auch daran, dass die Idee, den Umsteigebahnhof im Norden der Stadt in „Nordkreuz“ umzubenennen, schon etwas  älter ist. 2005 hatte die Bahn  das schon einmal vor, doch  Anwohner und Politiker legten sich quer. Die Bahn ließ den Vorschlag fallen.

Aber wohl nicht ganz, wie sich jetzt herausstellt. Denn aus Sicht der Bahn ist die Bezeichnung „Nordkreuz“  sinnvoll. Sie sei eine gute Orientierungshilfe  für Touristen und Ortsfremde, die in der Stadt unterwegs sind, hieß es immer wieder. 

Sie passt auch gut ins Muster. Schließlich gibt es schon ein Südkreuz, Ostkreuz und ein Westkreuz. Die Bahn  beschloss daher, den alten Namen „Gesundbrunnen“ zu lassen, den Bahnhof aber mit dem Zusatz „Nordkreuz“ zu versehen,  ähnlich wie beim Hauptbahnhof, der ja noch immer die Zusatzbezeichnung „Lehrter Bahnhof“ führt. Ein Kompromiss, gegen den eigentlich niemand etwas  haben kann.

Komisch nur, dass die Bahnkunden nichts  beziehungsweise erst durch  die Schilder auf den Bahnsteigen davon erfuhren. Und dass die Bezeichnung „Nordkreuz“ am Montag plötzlich nicht mehr auf den Schildern zu lesen war.

Schild "Nordkreuz" sollte erst im Juli offiziell enthüllt werden

Wie es dazu kam, ist   schnell erklärt: Auf den Bahnsteigschildern steht schon seit längerem der  Zusatz „Nordkreuz“, er war aber überklebt. Die Zusatzbezeichnung sollten erst zum Bahnhofsfest im Juli offiziell mitgeteilt und der Schriftzug dann enthüllt werden, sagte ein Bahnsprecher am Montag. Doch irgendjemand hat die Folie vorzeitig entfernt -  und die Pläne durchkreuzt.

Als die Nachricht  im Internet und auf Twitter die Runde machte, reagierten die Bahnleute schnell. Der Schriftzug wurde wieder mit blauer Folie überklebt. Gesundbrunnen heißt wieder nur noch Gesundbrunnen. Jedenfalls bis zum Juli.