Berlin - Lichtenberg beherbergt fast 1200 Flüchtlinge, Neukölln nur 13. Woran liegt es, dass die Unterschiede so groß sind? Die ungleiche Verteilung hat historische und politische Gründe. Nachdem in den neunziger Jahren nach der Verschärfung des Asylgesetzes die Zahl der Flüchtlinge dramatisch zurückging, wurden in allen Bezirken Unterkünfte geschlossen. Als die Flüchtlingszahlen in den vergangenen Jahr wieder stiegen, traf das Senat und Bezirke völlig unvorbereitet.

Hektisch wurde nach Turnhallen, Bürogebäuden und Schulen gefahndet. Manches ergab sich zufällig. „Lichtenberg hatte viele leerstehende Gebäude“, erläutert die Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso), Silvia Kostner. In Neukölln gebe es keinen Leerstand, um den Bau einer Notunterkunft in der Späth-straße auf einem Privatgelände wird verhandelt.

Im vergangenen Herbst setzte Sozialsenator Mario Czaja (CDU) alle Bezirke unter Druck, flächendeckend mehr Unterkünfte zu schaffen. Es gibt in Berlin keine einheitliche bindende Regelung, wie viele Flüchtlinge pro Bezirk untergebracht werden müssen.

Kein Stadtteil reißt sich darum, zumal mit einem Flüchtlingsheim zusätzliche Aufgaben anfallen, wie ärztliche Untersuchungen und Schulunterricht für Kinder. Einige Bezirke, vor allem die CDU-geführten, haben viel Kreativität darin entwickelt, Anfragen des Lageso abzulehnen. Manche bieten dem Land Gebäude an, deren Eigentümer kein Interesse an einer Flüchtlingsunterkunft haben. Andere würden das Bauplanungsrecht und den Brandschutz benutzen, um Heime zu verhindern, berichtet Lageso-Sprecherin Kostner.

Als der Senat im Mai ein leerstehendes Gebäude der Karl-Bonhoeffer-Klinik in Reinickendorf beschlagnahmte, um eine Notunterkunft einzurichten, sperrte der zuständige Baustadtrat Martin Lambert (CDU) die oberen Etagen, aus Gründen des Brandschutzes. Nach langen Gesprächen lenkte Reinickendorf ein, inzwischen wurde eine Kapazität von 700 Plätzen festgelegt. Der Bürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Norbert Kopp (CDU) verwahrt sich gegen den Vorwurf unsolidarisch zu sein. Sein Bezirk würde mehr Flüchtlinge aufnehmen, habe aber keine Immobilien. Die Bezirke seien gezwungen worden, viele Gebäude an den Liegenschaftsfonds abzugeben, um sie gewinnbringend zu verkaufen. Das räche sich nun.