Berlin - Deutschland kommt mal wieder reichlich spät. In Frankreich und Italien gilt 3G schon seit Wochen im Fernverkehr – voraussichtlich von diesem Mittwoch an nun also auch bei uns.

Doch wohin man in Deutschland schaut – nichts als Bedenken. So wenden die Gewerkschaften ein, dass ihre Mitglieder beim Fahr- und Begleitpersonal nicht die Richtigen seien, um die Einhaltung zu überprüfen. Auch bei der Bundes- und Landespolizei bastelt man vielerorts an Abwehrstrategien. Wir sind nicht zuständig! Oder: Wir haben nicht genug Leute!

Für Menschen mit ansteckenden Krankheiten ist der Nahverkehr längst tabu

Dabei müssen sich alle Akteure ihrer Verantwortung bewusst werden – auch in anderer Hinsicht. So müssen die Gewerkschaften impfunwillige Mitglieder und Funktionäre dazu auffordern, sich den Piks abzuholen, weil sie sonst ihre beruflichen Schutzpflichten gegenüber den Fahrgästen verletzen. Falls es auch beim Verkehrspersonal weiterhin viele Ungeimpfte gibt, muss dort eine Impfpflicht in Betracht kommen. Die Polizei auf Bundes- und Landesebene wiederum weiß natürlich, dass öffentlichkeitswirksame Schwerpunktkontrollen Denkprozesse und Rechtstreue fördern. Sie sollte dieses Werkzeug entsprechend nutzen.

Die Frage aller Fragen, ob die Einhaltung der 3G-Regel kontrollierbar ist, ist dagegen zweitrangig. Seit Jahrtausenden werden die Gesetze von den allermeisten Menschen befolgt, ohne dass ihnen mahnende Ordnungshüter zur Seite gestellt werden. Warum sollte das bei 3G anders sein? Seit Jahrzehnten verbieten die Beförderungsbedingungen, sich mit ansteckenden Krankheiten in Bus und Bahn zu begeben – ohne dass jemand diese Bedingungen für sinnlos erklärt hat, weil nicht ständig Masernrazzien in der BVG stattfinden. Angesichts des hohen Infektionsrisikos durch die Delta-Variante ist 3G in Bahnen und Bussen notwendig. Es ist auch praktikabel – wenn wir es wollen.