Berlin-Lichtenberg - Erde und Gestrüpp. Brachland. Mehr ist noch nicht zu sehen an der Buchberger Straße in Lichtenberg. In den nächsten Jahren will der niederländische Investor Hendrik van Caem hier einen Gewerbepark errichten. Sieben große Gebäude sind geplant, auf 110.000 Quadratmetern, geschätzt 3000 Büro-Arbeitsplätze sollen entstehen. Start-ups sollen sich hier einmieten können, die Macher mit Zukunft.

Auf der Homepage der „Van Caem Projects“ stellt der Investor sein Projekt vor, mit Fotos und Infos. Dort hat der Komplex auch schon einen Namen: „Coppi-Park“. So wird er auch in den Medien schon genannt. Ein Mann hat mit diesem Namen ein großes Problem: Hans Coppi junior. „Ich will nicht, dass der Name meiner Eltern für Marketing-Zwecke missbraucht wird“, sagt er. Gefragt wurde er nie.

Hingerichtet in Plötzensee 

Darf ein Investor so mit der Vergangenheit umgehen? Hans Coppi junior, 77 Jahre, ist der Sohn der NS-Widerstandskämpfer Hans und Hilde Coppi, Mitglieder der sogenannten Roten Kapelle. Sie verteilten während der Nazi-Zeit Flugblätter, versteckten Verfolgte und versuchten, Funkkontakt zur Sowjetunion herzustellen. Ihren Mut mussten sie mit dem Leben bezahlen: 1942 verhaftete die Gestapo das junge Ehepaar. Hilde Coppi brachte ihren Sohn im Frauengefängnis Barnimstraße zur Welt. Nur einmal durfte Hans, der Vater, Hans, den Sohn, in den Armen halten. Wenige Tage später richteten die Nazis den erst 26-Jährigen in Plötzensee hin. Hilde Coppi wurde acht Monate später in Plötzensee exekutiert.

Hans Coppi junior wuchs bei den Großeltern auf und wurde Zeuge, wie um seine Eltern ein ideologischer Kampf zwischen Ost und West entbrannte: Im Westen wurden sie als kommunistische Verräter geächtet, weil sie mit der „Roten Kapelle“ angeblich für die Sowjetunion spioniert hatten. Im Osten wurden sie aus genau denselben Gründen als Helden gefeiert. 1961 ließ man ihre Fotos auf Briefmarken drucken.

Hans Coppi junior will nicht, „dass der Name zu kommerziellen Zwecken verwendet“ wird

Hans Coppi junior machte es zu seinem Lebenswerk, die Geschichte seiner Eltern und ihrer Widerstandsgruppe zu erforschen – erst an der Akademie der Wissenschaften der DDR, später an der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und der Gedenkstätte Sachsenhausen. Noch heute hält er Vorträge an Schulen – mit Schülern des „Coppi-Gymnasiums“ in Karlshorst hat er vor kurzem eine Broschüre über die „Rote Kapelle“ erstellt. Sie ist für ihn ein Beispiel dafür, wie positiv die Benennung von Plätzen und Gebäuden auf junge Menschen wirken kann. 

Das Projekt von van Caem, das in direkter Nähe, aber nicht in der Coppistraße in Lichtenberg liegt, bewertet Hans Coppi junior grundsätzlich kritisch, weil er nicht will, „dass der Name zu kommerziellen Zwecken verwendet“ wird. Erschwerend kommt hinzu: Erst in der vergangenen Woche hat er erstmals vom „Coppi-Park“ erfahren – aus der Zeitung, weil Investor van Caem großzügig an die CDU in Lichtenberg gespendet haben soll. Coppi findet diese Art der Lobbyarbeit „fragwürdig“, den Namen seiner Familie will er nicht damit verbunden sehen. 

Bezirksamt Lichtenberg sieht Name ebenfalls kritisch

Kritisch sieht auch das Bezirksamt Lichtenberg die Namenswahl. Im Amt trage das Bauvorhaben den Namen „Gewerbepark Buchberger Straße“, hieß es auf Anfrage der Berliner Zeitung. „Der Arbeitstitel wurde unter anderem deswegen gewählt, weil es dem Fachbereich Stadtplanung befremdlich erschien, das Vorhaben unter dem Namen Coppi zu entwickeln.“ Man werde die Anfrage zum Anlass nehmen, auf den Investor „dahingehend einzuwirken“, dass das Vorhaben künftig nicht mehr unter dem Namen vermarktet werde. Letztlich entscheide über den Namen aber der Eigentümer. Investor van Caem selbst hat auf mehrere Anfragen per Mail und Telefon nicht reagiert. 

Wie sehen Rechtsanwälte den Fall? Georg Lecheler von der Kanzlei Oppenhoff & Partner erklärt, dass mit der Benennung „Coppi-Park“ zwei Rechte verletzt worden sein könnten: das postmortale Persönlichkeitsrecht von Hans und Hilde Coppi und das Namensrecht von Hans Coppi junior.

Ob Coppi ein Verfahren gewinnen könnte, kann Lecheler nicht sagen, weil dies von mehreren Faktoren abhänge – etwa davon, wie prominent die Coppis heute noch sind. „Ich sehe das auch nicht nur als rechtliche Frage, sondern als Frage des Stils, den der Investor hier an den Tag legt“, sagt Lecheler. „Wenn der Nachfahre so leicht identifizierbar ist, sollte man ihn einbeziehen.“