Nudeln, Apfelessig, Balsamico, Kürbiskernöl und Kokosraspeln zum Abfüllen: Carolin Schönborns Laden hat spätestens auf den zweiten Blick nicht viel mit einem herkömmlichen Supermarkt gemein. Wer in dem Anfang Juni eröffneten Geschäft „maßVoll – einkaufen unverpackt“ am Luisenplatz in Potsdam einkauft, hat ein reineres Gewissen. Denn Plastik gibt es dort nicht. Alles kommt in das wiederverwertbare Einmachglas, die Tupperdose oder Glasflasche.

Nach einem aktuellen Bericht des Umweltbundesamtes (UBA) fielen 2016 in Deutschland gut 18 Millionen Tonnen Verpackungsmüll an, pro Kopf 220,5 Kilogramm. Die 29-jährige Carolin Schönborn versucht, so wenig Verpackungsmüll wie möglich zu erzeugen. Mehr als 500 Produkte hat sie in ihrem Sortiment, die meisten davon in Bio-Qualität und aus der Region. Die Schokolade stammt von einer Potsdamer Confisserie, Kaffeebohnen aus einer Kaffeerösterei wenige Straßen entfernt, mit Äpfeln und Karotten beliefert sie ein Bauer aus Werder/Havel, Säfte und Brotaufstriche kommen von einem Hof in Altglobsow.

Welche Menge Nudeln brauche ich eigentlich?

Die ersten verpackungsfreien Läden eröffneten in Deutschland 2014; heute sind es mehr als 70. Um das Vertrauen der Kunden zu gewinnen, müssten Unverpackt-Läden vor allem auf Sauberkeit achten, sagt Jens Pape, der das Fachgebiet Nachhaltige Unternehmensführung in der Agrar- und Ernährungswirtschaft an der Hochschule Eberswalde (HNEE) leitet. In einer dreiwöchigen Studie ließ die Hochschule 50 Kunden in Unverpackt-Läden ihre Einkäufe dokumentieren. Das Ergebnis: Neben der Lage seien ihnen Auswahl, Behälter-Management und Beratung wichtig. Die Preise in Unverpackt-Läden bewegten sich laut Pape etwa auf Bioladen-Niveau.

„Unsere Welt ist davon geprägt, schnell und spontan noch eben auf dem Nachhauseweg den Einkauf zu erledigen“, sagt der Hochschullehrer. So einfach gehe es im Unverpackt-Laden nicht. Behälter müssten vorher bereitgelegt werden, spätestens im Laden stellten sich viele dann die Frage: Welche Menge Nudeln brauche ich eigentlich?

„Das Geschäft läuft gut.“

„Bislang haben das für uns die Supermärkte mit ihren vorverpackten Produkten übernommen.“ Um sich an den Einkauf „ohne Hülle“ zu gewöhnen, richten sich viele Kunden Pape zufolge einen reinen „Unverpackt-Tag“ pro Woche ein. „So, wie man jeden Mittwoch den Wochenmarkt besucht, geht es am Donnerstag in den Unverpackt-Laden.“

Carolin Schönborns Bilanz nach den ersten Wochen fällt positiv aus: „Das Geschäft läuft gut.“ Für manche Kunden zähle auch der nostalgische Wert, sagt sie. „Die Älteren kennen das unverpackte Einkaufen aus den Zeiten der Tante-Emma-Läden.“ Für sie sei es deshalb nicht ungewöhnlich, Nüsse und Nudeln in mitgebrachte Beutel zu füllen. (dpa)