Der Musiker Daniel Hope am vergangenen Wochenende. Er übt für sein Online-Konzert.
Foto: Christian Schulz

Berlin - Künstler zieht es hinaus aus ihren Behausungen, hinaus vor das Publikum. Als dies ab März wegen der Corona-Pandemie plötzlich nicht mehr erlaubt war, experimentierten viele von ihnen mit Liveübertragungen fürs Internet aus ihren Privaträumen. Schon in der Zeit davor, als noch nichts abgesagt war, fragte Wolfgang Bergmann vom Kultursender Arte den Star-Geiger Daniel Hope: „Was machst du eigentlich, wenn es schlimm wird?“ Hope sagte halb im Scherz: „Vielleicht mache ich ein Fernsehstudio aus meinem Wohnzimmer.“

Zwei Wochen später konnte niemand mehr auftreten und Bergmann rief Hope an: „Möchtest du immer noch dieses Fernsehstudio machen?“ Daniel Hope erinnert sich an seine Zweifel in diesem Moment: „Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt sehr viele Streams angeschaut und fand die Bereitschaft der Künstler dazu enorm. Auf der anderen Seite fehlte mir ein bisschen die Tonqualität, die es bei klassischer Musik doch braucht.“

Erst als ihm ein Fachmann bestätigt hatte, dass sich in seinem Wohnzimmer ein Sound auf Studioniveau machen lässt, sagte er dem Mann von Arte zu. Was Hope nicht ahnte, war dessen Antwort: „Dann lass uns morgen starten.“ Es folgten Abend für Abend 34 Konzerte unter dem Titel Hope@home aus dessen Berliner Wohnzimmer. Übertragen auf der Internetseite des Fernsehsenders Arte.

Als die Reihe am 3. Mai enden sollte, verlangte das Publikum immer mehr. Der Violinist wollte die große Kultur der Hauskonzerte aufleben lassen und kam damit richtig gut an: „Ich bin sehr berührt von den tausenden Nachrichten, die wir bekommen.“

Aber nach Wochen wünschten sich seine Frau und die Kinder das Wohnzimmer zurück: „Die Familie hat irgendwann gesagt: ‚Dad, es reicht jetzt!‘ Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Meine Familie war stoisch.“

Inzwischen wird die Reihe als Hope@home on Tour weitergeführt. Jeden Freitag, Sonnabend und Sonntag an wechselnden Orten und mit Gästen wie Katharina Thalbach, Sophie Rois und Rea Garvey. Soeben gastierte die Reihe in der Bar Tausend, in der Gedächtniskirche und im Zeiss Großplanetarium. Hope mag das Format: „Wir machen so lange weiter, wie wir dürfen. Im Moment geht es um diesen Sommer. Und dann schauen wir, wie es in der Welt aussieht.“