Berlin - Schon vor zwei Wochen hat die Fischerhütte am Schlachtensee Schlagzeilen mit einem 1G-Modell für das dieses Wochenende beginnende Oktoberfest gemacht. Heute Abend geht es los: Einlass nur für Geimpfte, sogar Genesene müssen draußen bleiben. Wirt Josef Laggner erklärt im Interview, warum er auf dieses Modell setzt.

Herr Laggner, auch in Berlin haben die Gastronomen die freie Wahl. Warum haben Sie sich für die 1G-Regel entschieden?

Weil wir hier von einem ausgelassenen Oktoberfest sprechen, bei dem wir eng zusammensitzen, laut sprechen und singen. So eine Veranstaltung kann aus meiner Sicht nur mit geimpften Gästen verantwortlich durchgeführt werden. Sonst ist die Gefahr zu groß. Geimpft und genesen ist für mich ein Unterschied. In der normalen Gastronomie ist für mich 2G überhaupt kein Problem. Es geht nur um das Oktoberfest.

Wäre eine 3G-Regelung aus rein betrieblicher Sicht nicht ein Vorteil? Sie könnten schließlich eine breitere Gästeschaft ansprechen und empfangen.

Wer Oktoberfest feiern will, ohne geimpft zu sein, kann von mir aus bis nächstes Jahr warten. Ich bin kein Freund der Impfverweigerer! Wir müssen das wie die Dänen hinkriegen und das geht nur mit ausreichend Geimpften. Ein neuer Lockdown wäre für die Gastronomie tödlich, weil wir dann auch einfach zu viele Arbeitskräfte verlieren, die sich Jobs in einer sichereren Branche suchen.

Laggner: „Wir müssen es wie die Dänen machen“

Apropos Mitarbeiter: Die müssten dann ja auf dem Oktoberfest auch alle geimpft sein. Dürfen Sie Ihre Mitarbeiter überhaupt nach ihrem Impfstatus fragen?

Alle Kellner und Tresenkräfte, die beim Oktoberfest arbeiten werden, sind geimpft. Sie erzählen es von selber, wir haben da einen offenen Umgang miteinander. Anfangs waren viele skeptisch, aber nun fühlen sich alle freier seit der Impfung, ich selbst auch.

Ein erheblicher Teil der Gastronomen sehen derzeit ihren Betrieb in der Existenz bedroht – viele ziehen sogar eine Betriebsaufgabe in Betracht. Wie haben Sie die Schließzeiten und den Lockdown überstanden?

Ich habe ein Grundstück verpfändet und dadurch ein paar Millionen zusammenbekommen, diese Schulden habe ich jetzt. Beim ersten Lockdown habe ich gar nichts vom Staat bekommen, weil ich ein verbundenes Unternehmen habe. Das sind gewaltige Verluste. Bei der Gastronomie ist es auch so, dass es extrem schwer ist, das wieder reinzuholen. Wir können die Preise nicht einfach erhöhen. Wenn wir unser Schnitzel plötzlich acht oder zehn Euro teurer anbieten, bleiben uns sofort die Kunden weg. Deswegen darf es aus Sicht der Gastronomie auf keinen Fall wieder zu Lockdown-Maßnahmen kommen! Die vielfältige Gastronomie Berlins würde daran kaputt gehen, profitieren würden Ketten wie McDonald’s und Burger King, das kann keiner wollen.