Noch ist das „saubere Auto“ auf den Berliner Straßen selten. 1145 Elektroautos sind in der Hauptstadt unterwegs. Hinzu kommen rund 8400 Hybridmodelle. Doch die Nachfrage nach Elektroautos steigt, wie gerade auch beim Internationalen Autosalon Genf zu sehen ist. Nahezu alle namhaften Hersteller präsentieren dort ihre neuesten Elektro-, Brennstoffzellen- oder Hybrid-Fahrzeuge. Saubere Antriebe für umweltbewusste Käufer, ein Markt mit Potenzial. Und das ist aus Sicht der Berliner Feuerwehr ein Problem.

Löschwasser und Löschschaum nutzlos

„Wenn nach einem Unfall Batterieblöcke Feuer fangen, „kann sich das schnell zu einem Metallbrand ausweiten“, sagt ein Sprecher der Feuerwehr. Ein solcher Brand kann bis zu 1000 Grad heiß werden. Bei diesen Temperaturen sind sowohl Löschwasser als auch Löschschaum nutzlos. Ein weiteres Problem sind die in Elektroautos verbauten Hochvoltleitungen, die sich durchs ganze Fahrzeug ziehen. Mit bis zu 600 Volt fließt der Strom durch die Kabel. Eine Stärke, die bei Berührung tödlich ist. „Wenn ein Auto bei einem Unfall so deformiert wird, dass die Insassen eingeklemmt sind, müssen wir die Karosserie aufschneiden“, sagt der Feuerwehrsprecher. Und dabei besteht das Risiko, auch eine der Stromleitungen anzuschneiden.

Gerade erst gab es einen Fall, bei dem die Einsatzkräfte nicht genau wussten, was sie erwartet. In der Nacht zu Mittwoch brannte am Marlene-Dietrich-Platz der Frontbereich eines Toyota Prius. Hätte bei dem Hybrid-Fahrzeug das Heck in Flammen gestanden, hätten die Einsatzkräfte vermutlich nicht mehr viel machen können. Denn beim Prius sitzt im Heck der Batterieblock, deswegen hätte sich ein Metallbrand entwickeln können. „In einem solchen Fall muss ein mit Pulver gefülltes Trockentank-Löschfahrzeug angefordert werden“, erklärt der Feuerwehrsprecher. Von diesen Fahrzeugen gibt es in Berlin aber nur ein Exemplar. Es wäre zwar möglich, auch andere Löschfahrzeuge mit Pulver zu füllen. Aufgrund der geringen Anzahl von Elektro-Autos in Berlin ist das aber nicht geplant.

Suche kostet Zeit

Unzureichend ausgerüstet ist die Feuerwehr auch für den Fall, dass sie Personen aus Unfall-Wagen mit Stromantrieb herausschneiden muss. Bei einem Crash schalten moderne Fahrzeugsysteme die Batterie zwar ab. Doch die Schweizer „Eidgenössische Koordinationskommission für Arbeitssicherheit“, kurz Ekas, warnte in einem Bericht Ende 2016 davor, dass diese Sicherungstechnik „nicht immer einwandfrei“ funktioniere. Dadurch drohten Rettungskräften „besondere Gefährdungen“ durch Stromschläge und Lichtbögen, die zu „Herzstillstand, Atemstillstand und Tod“ führen könnten.

Bislang bleibt den Rettern nur, im Internet nach einer sogenannten Rettungskarte zu suchen, wie es sie mittlerweile für fast alle Fahrzeugtypen gibt. Diese Karten zeigen, wo die elektrischen Kabel verlaufen. Doch diese Suche kostet Zeit – in Situationen, in denen Minuten entscheidend sind.