Berlin - Das Camp an der Rummelsburger Bucht zählt zu den größten Obdachlosenlagern in Deutschland. Vergangenen Freitag wurde es geräumt, um die etwa 100 Bewohner vor der einbrechenden Kältewelle zu schützen. Das zumindest sagt Lichtenbergs Vize-Bürgermeister Kevin Hönicke (SPD). Gegen die Räumung demonstrierten linke Gruppierungen und unterstellen, dass der Wintereinbruch mit nächtlichen Temperaturen bis über minus 10 Grad Celsius dem Bezirk nur als Vorwand diente, um die Bewohner des Camps loszuwerden, damit auf dem Areal eine Touristenattraktion gebaut werden kann. Fakt ist, dass Bezirk und Senat seit Jahren versuchen, das illegale Camp aufzulösen und stets dabei scheiterten, die Obdachlosen in festen Quartieren unterzubringen.

Die Brache, auf der bis 2024 die Coral World entstehen soll, eine Art Super-Aquarium eines israelischen Investors, diente jahrelang als Anziehungspunkt der Gestrandeten dieser Gesellschaft. Sie leben dort zwischen Schutt und Müll in Hütten und Zelten. Obdachlose aus ganz Deutschland findet man dort, aber auch Polen, Rumänen und Bulgaren. „Das Leben hier ist menschenunwürdig. Die hygienischen Zustände sind katastrophal, stets gibt es Rattenplagen“, sagt ein Sozialarbeiter, der aus Angst vor Anfeindungen linker Aktivisten anonym bleiben will. Denn er erklärt: „Zu der jetzigen Räumung hätte es nicht kommen müssen, wenn die Verantwortlichen verhindert hätten, dass ständig immer mehr Menschen auf das Areal ziehen.“

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