Berlin - Sie standen zuletzt öfter in Friedrichshain auf der Straße und demonstrierten gegen die Räumung ihrer Obdachlosenunterkunft: ehemalige Bewohner der Zeltstadt in der Rummelsburger Bucht, die seit Anfang Februar auf Senatskosten in einem Hostel in der Boxhagener Straße untergebracht waren.

Nun stehen sie wieder auf der Straße. Am Mittwoch lief die Unterbringung im Rahmen der sogenannten Kältehilfe wie auch an anderen Stellen der Stadt aus. „Ab diesem Tag ist das Gebäude keine Unterkunft mehr für obdachlose Menschen, der Vertrag ist beendet“, teilt die Senatsverwaltung für Soziales auf Anfrage mit. „Die Unterbringung sollte bereits zum Ende der Kältehilfe am 30. April enden, ist dann aber, wie andere Einrichtungen auch, wegen der Impfkampagne für obdachlose Menschen verlängert worden.“

Dagegen protestierten Obdachlose nach Montag und Dienstag auch am Mittwoch, Sicherheitsleute und Polizei waren vor Ort, die Räumung verlief laut Angaben des Hostels weitgehend friedlich. Die Bewohner sind es schon gewohnt, vertrieben zu werden: Anfang Februar hatte der Bezirk Lichtenberg das Obdachlosencamp an der Rummelsburger Bucht mit gut 100 Bewohnern in einer nächtlichen Blitzaktion räumen lassen. Etwa 50 von ihnen kamen in dem Hostel in Friedrichshain unter, einige verließen es vorzeitig, andere kamen hinzu. 

„Es war immer klar, dass es sich nur um eine vorübergehende Unterkunft und ein zeitlich befristetes Angebot handelt“, teilt die Senatsverwaltung mit. „Unseres Wissens haben alle Bewohner der Unterkunft Angebote zur sozialen Beratung in den Bezirken zur sozialen Wohnhilfe erhalten.“

Empörung über die Räumung bei minus 10 Grad im Februar

Die Auflösung des wilden Camps im tiefsten Winter hatte für Empörung gesorgt, es war unklar, ob wirklich die Kälte der Grund war oder ob die Brache für eine geplante Touristenattraktion geräumt werden sollte. Gegen die Vertreibung bei minus 10 Grad demonstrierten linke Aktivistengruppen.

„Jetzt stehen viele von ihnen wieder auf der Straße und sind auf sich gestellt, ohne den Schutz der Gruppe“, sagt André Hoek, Experte für Obdachlosigkeit, der früher selbst auf der Straße lebte. 

Zuletzt lebten laut Angaben des Hostels rund 180 Obdachlose dort, viele von ihnen stammen offenbar aus Rumänien oder Bulgarien. Die Unterbringung und Versorgung von Wohnungslosen während der Pandemie in Hotels und Hostels kostete nach Schätzungen des Senats insgesamt mehrere Millionen Euro.

„Die Bezirke sind verantwortlich und rechtlich verpflichtet, obdachlose Menschen unterzubringen“, teilt die Senatsverwaltung mit und verweist darauf: „Es wird in Berlin weitere 24/7-Unterkünfte für obdachlose Menschen geben.“ Zuletzt erhielt Berlin zusätzlich fast 37 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds für soziale Projekte, die Sozialsenatorin Elke Breitenbach in dauerhafte Unterkünfte für Obdachlose investieren will.