Bleiben Berliner U-Bahnhöfe im Winter für Obdachlose geöffnet oder nicht? Darüber hat Sozialstaatssekretär Alexander Fischer am Montagabend mit der Chefin der BVG, Sigrid Nikutta, debattiert. Am Dienstag hieß es dazu aus der Senatssozialverwaltung: Die Frage, ob und wie Bahnhöfe in den Wintermonaten als Aufenthaltsort von Obdachlose genutzt werden können, werde Gegenstand eines vertieften Dialogs zwischen der BVG und der Sozialverwaltung sein.

BVG hat vor allem Bedenken wegen alkoholisierter Obdachloser

Grund des kurzfristig vereinbarten Treffens war die Ankündigung der BVG, ihre jahrelange Praxis, bestimmte Bahnhöfe im Winter nachts für Obdachlose zu öffnen, zu überdenken. BVG-Chefin Sigrid Nikutta hatte in einem Interview mit der Berliner Morgenpost vor allem Sicherheitsbedenken geltend gemacht. Nachts bleibe beispielsweise der Starkstrom im Gleisbereich eingeschaltet. „Bei nicht selten mehreren Dutzend Menschen im Bahnhof, die oft unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen, ist das buchstäblich lebensgefährlich“, sagte Nikutta.

Am Dienstag war bei der BVG nichts mehr von einer Schließung der U-Bahnhöfe zu hören. „Wir suchen eine Lösung zwischen einer menschenwürdiger Übernachtung und den Sicherheitsfragen im U-Bahn-Betrieb“, sagte BVG-Sprecher Markus Falkner. Es sei noch keine endgültige Entscheidung getroffen.

Falkner betonte, 15 Jahre lange habe die BVG soziale Verantwortung in der Stadt übernommen, nun müsse es „eine beherrschbare und vertretbare Lösung“ für das BVG-Personal, ihre Kunden und die Obdachlosen geben.

Sozialverwaltung sucht Konsens mit BVG

Die Sozialverwaltung versicherte nach dem Gespräch mit der BVG-Chefin, sie werde kurzfristig Möglichkeiten prüfen, um die Situation auf den U-Bahnhöfen in den Wintermonaten zu entspannen. In den kommenden Wochen werde es dazu erneut ein Spitzengespräch geben, um einen Konsens zu erzielen. Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) hatte bereits am Montag der Berliner Zeitung versichert: „Wir brauchen auch die U-Bahnhöfe, wollen aber mit der BVG reden, wie wir bestehende Probleme, zum Beispiel hygienische Zustände, gemeinsam abbauen können.“

„Wir wollen keinen Toten in der U-Bahn“

Kritik zu Nikuttas Vorschlag kam von CDU, FDP und Grünen. Verständnis für ihre Überlegungen zeigte der Berliner Fahrgastverband. Sprecher Jens Wieseke sagte: „Wir wollen keinen Toten in der U-Bahn“, sagte er. „Die Obdachlosen begeben sich mitunter in größte Lebensgefahr, klettern beispielsweise unter Bahnsteige oder laufen in Tunnel.“ Der Verband könne die Gedanken Nikuttas nachvollziehen. „Die Idee ist ein deutliches Signal an die Stadt. Die Obdachlosen sind ein Problem des Senats und nicht der BVG“, sagte Wieseke.