Die Corona-Krise treibt diejenigen, die es schon vorher schwer hatten, ans Limit.
Foto: Gerd Engelsmann

BerlinBleibt zu Hause – das ist der Slogan unserer Zeit. Doch was, wenn man zu Hause bleiben soll, aber keine Wohnung hat?

Obdachlose Menschen brauchen immer unsere Solidarität, aber selten so dringend wie in diesen Zeiten. Einkommensquellen fallen weg, weil weniger Menschen unterwegs sind, die Geld spenden könnten. Und aus Infektionsschutzgründen geschlossene Tafeln, Toiletten, Notunterkünfte und medizinische Versorgungsstellen treiben diejenigen, die es schon vorher schwer hatten, zusätzlich ans Limit.

Notunterkünfte können zur Katastrophe führen

Menschen, die auf der Straße leben, sind noch dazu vom Coronavirus besonders bedroht: Sie leiden oft an unbehandelten Vorerkrankungen, viele haben ein geschwächtes Immunsystem – und leben nicht in Umständen, die es ihnen erlauben würden, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten, die die Ansteckungsgefahr verringern.

Die Senatsverwaltung für Soziales hat erkannt, dass Notunterkünfte, in denen Dutzende Menschen auf engstem Raum übernachten, zu einer Katastrophe führen könnten – vor allem, wenn sie am nächsten Morgen wieder gehen müssen.

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Dach über dem Kopf

24-Stunden-Unterkünfte mit Einzel- und Doppelzimmern für 350 Menschen werden nun geschaffen: Das ist gut, aber hoffentlich nur ein Anfang. In Berlin leben mindestens 2000 Menschen auf der Straße, manche Hilfsorganisationen schätzen die Zahl doppelt so hoch.

Angesichts der Gefahr, in der sie schweben, muss es das Ziel sein, allen, die das Angebot annehmen wollen, kurzfristig ein Dach über dem Kopf zu bieten, und zwar so niedrigschwellig wie möglich. Im Zweifel auch in Jugendherbergen, Hostels und Hotels.