Berlin - In der Stadt fehlt es an Plätzen für Menschen ohne Wohnung. Die Situation sei angespannt, sagt Franciska Obermeyer, Sprecherin von Sozialsenator Mario Czaja (CDU). Immer mehr Menschen würden eine Notunterkunft benötigen. Die Bezirke suchen händeringend nach Lösungen. Es gibt kaum Räume.

„Jeden Morgen sitzen in den Fluren des Rathauses Wilmersdorf hilfesuchende Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben“, sagt Charlottenburg-Wilmersdorfs Sozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU). Der Bezirk könne ihnen kaum noch helfen. Die Berliner Unterbringungsleitstelle melde seit Wochen, dass es keine freien Plätze mehr in den Wohnheimen gebe. „Wir fragen schon bei Betreibern von Hostels und Pensionen an“, so Engelmann.

Nach geltendem Recht sind die Bezirke zur Unterbringung Wohnungsloser verpflichtet. Laut Engelmann ist Charlottenburg-Wilmersdorf besonders betroffen: „Als City-Bezirk sind wir auch zentraler Informations- und Treffpunkt für diese Menschen.“ Sowohl um den Bahnhof Zoo mit der Bahnhofsmission träfen sich wohnungslose Menschen, aber auch an vielen anderen Umsteigebahnhöfen.

Täglich würden 20 bis 30 Menschen bei der sozialen Wohnhilfe des Bezirks nach Unterstützung fragen, so Engelmann weiter. Es seien Menschen darunter, die von Räumungsklagen und Zwangsräumungen bedroht sind, aber auch zunehmend Wohnungslose aus den baltischen Staaten, Polen und Staaten der ehemaligen UdSSR.

Auch in Kreuzberg ist man um Problemlösungen bemüht. Das Bezirksamt hat bereits das ehemalige Seniorenheim an der Stallschreiberstraße als Notunterkunft zur Verfügung gestellt. Zunächst als Unterkunft für Flüchtlinge, aber, so Bürgermeister Franz Schulz (Grüne): „Wir wollen, dass dort auch Menschen untergebracht werden, die sonst obdachlos wären.“

Auf der Suche nach Unterkünften

Stadtrat Engelmann sagt, es werde auch versucht, die Leute ans Jobcenter zu vermitteln, denn dort erhielten sie eine Kosten-Übernahmebescheinigung. Diese erleichtere die Aufnahme in einfache private Unterkünfte. Dennoch: „Es braucht eine gesamtstädtische Herangehensweise an das Problem.“

Geschätzt wird, dass es in der Stadt rund 10.000 Obdachlose gibt. Genaue Zahlen hat niemand, auch der Senat nicht. Laut Franciska Obermeyer verfügt Berlin im Rahmen der Kältehilfe derzeit über 415 Notübernachtungsplätze, das reiche aber nicht. Ziel sei es, mindestens 500 solcher Plätze zu schaffen, und zwar in Zusammenarbeit mit Kirchen und Vereinen. Die Bezirke, in denen die Zahlen der Wohnungslosen stark steigen, seien darauf angewiesen, andere Unterkunftsformen zu finden: „Das kann alles sein, vom billigen Hotel bis zu leerstehenden Häusern, sagt sie.

415 Notübernachtungsplätze

Engelmann sagt, Charlottenburg-Wilmersdorf überlege, eine Einrichtung in der Heiligendammer Straße aus der Insolvenzmasse der Treberhilfe zu erwerben. „Wir prüfen das jetzt kurzfristig.“ Denn es dürfe nicht die Situation entstehen wie in den 1990er-Jahren, wo sich unseriöse Anbieter bei der Unterbringung von Asylbewerbern und Obdachlosen eine goldene Nase verdient hätten.

Nicht nur die schlechte wirtschaftliche Situation in vielen Ländern Europas sei Auslöser dafür, dass immer mehr wohnungslose Menschen nach Berlin strömten, zunehmend fehle auch bezahlbarer Wohnraum in Berlin und im Bezirk, so Engelmann. Deshalb sei die Gesetzesinitiative der Bundesregierung zur Begrenzung des Mietanstiegs in bestimmten Gebieten zu begrüßen. Das werde auch der zukünftigen Stadtentwicklung in Charlottenburg-Wilmersdorf zugute kommen. Die Mietbegrenzung bezieht sich allerdings nur auf bestehende Mietverhältnisse. Bei Neuvermietungen gibt es weiter kein Limit nach oben. (mit sk)