Knapp vier Monate nach einem Brandanschlag auf zwei Obdachlose in Berlin-Schöneweide ist einer der Männer tot. Der 47-Jährige starb am Freitag, wie das Unfallkrankenhaus Berlin am Dienstag auf Anfrage mitteilte. Laut Staatsanwaltschaft soll eine Obduktion jetzt die Todesursache klären.

Der 47-Jährige war mit schweren Verbrennungen im Juli in die Klinik gebracht worden. Er wurde über Wochen intensivmedizinisch betreut und war auch in ein Schutzkoma versetzt sowie mehrfach operiert worden.

Obdachlose nach Streit mit Benzin übergossen und  angezündet

Gegen einen 48-Jährigen Tatverdächtigen wurde Anklage wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung erhoben, wie die Anklagebehörde mitteilte. Er soll die beiden Männer am Abend des 22. Juli aus Wut und Verärgerung über einen vorangegangenen Streit mit Benzin übergossen und angezündet haben. Passanten kamen den Angegriffenen zu Hilfe und löschten die Flammen. Der 62-Jährige konnte nach zwei Wochen aus der Klinik entlassen werden

Laut Staatsanwaltschaft kann sich der Anklagepunkt versuchter Totschlag noch verschärfen. Der Obdachlose sei erst nach der Anklageerhebung gestorben. Zudem sei der unmittelbare Zusammenhang zwischen den Brandverletzungen und dem Tod noch nicht erwiesen.

Zielfahnder nahmen Deutsch-Russen fest

Der Deutsch-Russe, der die beiden Obdachlosen an ihrem angestammten Lagerplatz angegriffen haben soll, wurde anderthalb Wochen später von Zielfahndern in einem Einkaufscenter gefasst. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Eine feindliche Haltung zu Obdachlosen war laut Staatsanwaltschaft nicht das Motiv der Tat. 

Der Mann war nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft an dem Abend nach dem Streit mit den Obdachlosen von der Polizei von dem Areal verwiesen worden. Darüber soll sich der Mann so echauffiert haben, dass er zu einer Tankstelle gelaufen und dort Benzin in einem Kanister gekauft habe. Der mutmaßliche Angreifer sei auf den Bahnhofsvorplatz zurückgekehrt. Nach der Attacke war er zunächst geflüchtet. Bei den Ermittlungen waren auch Aufnahmen aus Überwachungskameras ausgewertet worden.

Nach dem Anschlag hatte Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Die Linke) vor einer zunehmenden Verrohung der Gesellschaft gewarnt. Es brauche mehr Mitmenschlichkeit. Mit einer Mahnwache hatten rund 150 Menschen gegen Obdachlosenfeindlichkeit und Ausgrenzung protestiert. (dpa)