Die FDP fordert einen neuen Ansatz bei der Unterstützung von Menschen ohne eigene Wohnung oder von Obdachlosen in Berlin. Statt zahlreicher Einzelmaßnahmen sei ein ganzheitliches Konzept nötig, sagte der sozialpolitische Sprecher der Fraktion im Abgeordnetenhaus, Thomas Seerig. Dieses bleibe der Senat bisher schuldig.

Verbesserte medizinische Versorgung und witterungsabhängige Unterkünfte

Die FDP schlägt einen ganzen Strauß von Maßnahmen vor, nicht zuletzt eine Ausweitung des Angebots an preiswerten Wohnungen im sogenannten geschützten Marktsegment sowie von öffentlichen Trägerwohnungen für Menschen, die ihre eigene Unterkunft schon verloren haben. Antragstellern von Wohngeld müssten automatisch begleitende Hilfen angeboten werden, um ein Abrutschen in die Wohnungslosigkeit zu verhindern.

Aus Sicht der FDP ist auch eine Koordinierungsstelle Wohnungslosigkeit auf Landesebene nötig, die die Wirksamkeit von Konzepten überprüft und diese weiterentwickelt. In jedem Bezirk müsse es eine zentrale Fachstelle Wohnungslosigkeit geben, die alle relevanten Leistungen unter einem Dach bündele.

Für Menschen, die schon auf der Straße leben, fordert die FDP eine bessere medizinische Versorgung vor allem in Schwerpunktpraxen und mehr Angebote zur Körperpflege. Um ihnen witterungsabhängig einen Unterschlupf zu bieten, könnten modulare Unterkünfte oder Traglufthallen vorgehalten werden.

Ein besseres Miteinander im öffentlichen Raum 

Gleichzeitig hält die FDP in einem Antrag für das Abgeordnetenhaus eine „Verbesserung des Miteinanders im öffentlichen Raum“ für nötig. Dazu müssten Lager von Obdachlosen in S- und U-Bahn-Stationen sowie Parks aufgelöst werden, wenn diese „durch ihr Sozialverhalten“ Störungen verursachten.

„Obdachlose Passagiere in Bahnen, bei denen eine starke Geruchsentwicklung eine hygienische Gefährdung der Mitfahrenden auslöst, sind von der Weiterfahrt auszuschließen und dem sozialpsychologischen Dienst zu übergeben“, heißt es weiter.

Die genaue Zahl der Obdachlosen in Berlin steht nicht fest. Nach Schätzungen liegt sie zwischen 4000 und bis zu 10.000 Menschen. Die Caritas geht davon aus, dass weit über die Hälfte von ihnen aus EU-Ländern in Osteuropa stammt. (dpa)