Berlin - Eigentlich ist Carsten Engelmann eher ein ruhiger Mann. Jetzt aber reicht es dem CDU-Politiker aus Charlottenburg-Wilmersdorf. Weil Räume für wohnungslose Menschen fehlen, prüft er nun auch, ob man nicht Gebäude beschlagnahmen kann. „Wir müssen handeln“, sagt er. Denn die Zahl der Menschen, die kein Dach überm Kopf haben oder von der Räumung ihrer Wohnung bedroht sind, steige immer mehr.

Wie berichtet, hält auch der Senat die Situation in Berlin für angespannt. Zwar fehlen genaue Zahlen, wie viele Obdachlose es in Berlin gibt. Die Bezirke, die für ihre Unterbringung zuständig sind, können nur jene ermitteln, die sich auf den Ämtern oder in Einrichtungen melden. Laut Engelmann kommen zur sozialen Wohnhilfe, die im Rathaus Wilmersdorf untergebracht ist, täglich bis zu 30 Menschen. Nach Schätzungen der Berliner Stadtmission leben rund 10.000 Obdachlose in Berlin. „Wir haben aber nicht genügend Räume, um Wohnungslose unterzubringen“, sagt Engelmann.

Deshalb erwäge Charlottenburg-Wilmersdorf nicht nur, ein Gebäude aus der Insolvenzmasse der Treberhilfe zu erwerben, sondern auch kurzfristig die Beschlagnahme nicht genutzter Immobilien. Solche Zwangsbeschlagnahmen sind gesetzlich erlaubt, wenn es keine anderen Möglichkeiten gibt. Um welche Häuser es sich handelt, wollte Engelmann am Freitag nicht sagen. „Allein die Ankündigung hat aber gereicht, dass wir jetzt plötzlich auch Angebote von Hotels zur Unterbringung Wohnungsloser erhalten haben“, sagt er.