In Görlitz verliert der Kandidat der AfD, Sebastian Wippel, klar gegen Octavian Ursu von der CDU in der Stichwahl um den Job des Oberbürgermeisters mit 44,8 zu 55,2 Prozent der Stimmen. Dabei lag Wippel beim ersten Durchgang noch klar vorne. 

Ein interessantes Ergebnis, das aber nicht als Stimmungsbarometer für die anstehenden Landtagswahlen im Herbst in Sachsen oder gar in Thüringen und Brandenburg taugt. Kommunalwahlen sind anders, erst Recht die in der Stichwahl auf die duellhafte 1:1-Situation reduzierte Entscheidung.

In Görlitz hat sich eine deutliche Mehrheit gegen den AfD-Kandidaten entschieden. Nun sind Wahlbündnisse, die nur darin bestehen, gegen etwas oder jemand zu sein, auf Dauer nicht hilfreich.

Zunächst ist da die Botschaft der Mehrheit der Görlitzer: Die AfD mit ihren Positionen der Ab- und Ausgrenzung wollen sie nicht als Vertreter ihrer Stadt an der Spitze der Verwaltung. Das ist die gute Nachricht. Die andere ist, 45 Prozent der Görlitzer wollten genau diese Politik für ihre Stadt, die direkt an der offenen Grenze zu Polen liegt.

Das wird für den CDU-Mann Ursu keine leichte Aufgabe, die Lager zusammenzuführen.  Nirgendwo werden Erfolge und Misserfolge schneller abgerechnet als auf kommunaler Ebene. Man kennt sich.

Dass nun ein AfD-Kandidat unterlegen ist, heißt nicht, dass die AfD aus den Landtagswahlen im Herbst nicht deutlich hervorgehen wird. Eine Personenwahl unterscheidet sich fundamental von einer Parteienwahl. Und bei der Koalitionsbildung ist der Wähler gar nicht mehr dabei. Die CDU hat in Bremen klar die Wahl gewonnen und wird wohl trotzdem nicht regieren. Die AfD wird bei den Wahlen Sachsen, Thüringen und Brandenburg ihren Platz behaupten, ob es einem gefällt oder nicht.

Zu dem Wahlsonntag gehört aber auch diese Meldung: In Rostock wird mit Claus Ruhe Madsen ein Parteiloser Oberbürgermeister, der keinen deutschen Pass hat. Madsen ist Däne, ihm unterlag der bisherige Sozialsenator Steffen Bockhahn von der Linken.

Der Osten bietet eben doch hin und wieder Überraschungen.