Berlin - Eigentlich galt Cornelia Yzer nach ihrem Abgang vom mächtigsten Pharmaverband im vergangenen Jahr schon als abgeschrieben. Nun soll die 51-Jährige Berlins neue Wirtschaftssenatorin werden. Feststeht: Die Managerin und Rechtsanwältin gilt als bestens vernetzt in Wirtschaft und Politik. Ihre frühere Lobbyistentätigkeit könnte anderen selbst in der rot-schwarzen Koalition allerdings ein Dorn im Auge sein.

Schon seit Jugendtagen ist Yzer CDU-Mitglied, hatte führende Posten in der Partei inne und war bereits Parlamentarische Staatssekretärin unter der früheren Bundesfrauenministerin Angela Merkel. Und auch in Berlin kennt Yzer sich bestens aus - sie lebt seit Jahren in der Hauptstadt.

Überraschend ausgeschieden

1997 wechselte sie unerwartet von der Politik zum einflussreichen Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA). Vor rund einem Jahr schied sie dort jedoch nach 15 Jahren als Hauptgeschäftsführerin überraschend aus. Führende Pharmakonzerne wie der mächtige Bayer-Konzern sollen mit ihrer Arbeit unzufrieden gewesen sein, weil sie für die Branche schmerzhafte Arzneigesetze nicht verhindert hatte.

Seither ist sie als selbstständige Juristin tätig. In Berufsnetzwerken im Internet beschreibt sie sich selbst als „ausgewiesene Führungskraft“ und „erfahrene Mittlerin zwischen Industrie und Politik“. Vor allem letzteres dürfte ihr in Berlin nach dem Rücktritt ihrer Vorgängerin Sybille von Obernitz (parteilos, für die CDU) zu Gute kommen. Obernitz hatte es sich mit ihrer forschen Art nach und nach mit der Berliner Wirtschaft verscherzt.

Die 1961 im nordrhein-westfälischen Lüdenscheid geborene Tochter eines Bauunternehmers trat schon vor ihrem Abitur in die CDU und die Junge Union ein. Danach studierte sie Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Bochum und Münster. Zeitweise wurde sie dabei von der unionsnahen Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert.

Von 1992 an arbeitete sie als Parlamentarische Staatssekretärin unter der damaligen Bundesministerin für Frauen und Jugend und heutigen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zwei Jahre später ging sie ins Ressort für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie. Danach wechselte sie 1997 in die Arzneimittelwirtschaft. (dpa)