Berlin - Geschwisterkinder werden künftig an begehrten Gymnasien und Sekundarschulen bevorzugt aufgenommen. Das sieht der Entwurf einer Schulgesetzänderung vor, der nach der Sommerpause im Abgeordnetenhaus behandelt wird. Besucht schon ein Bruder oder eine Schwester die Schule, wird das Geschwisterkind zu den „Härtefällen“ gezählt. Auch Kinder, die im Bezirk der Schule wohnen, werden künftig bevorzugt – aber nur bei den Zweit- und Drittwunsch-Schulen. Darauf hatte vor allem die CDU gedrängt.

Eine weitere Neuigkeit im Gesetzentwurf ist, dass die bilinguale Nelson-Mandela-Sekundarschule nicht mehr dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zugeordnet sein soll, sondern das Land Berlin künftig die Trägerschaft übernimmt. Begründet wird dies damit, dass die beliebte deutsch- und englischsprachige Schulen von Eltern aus allen Bezirken gewählt wird. Die Schüler stammten aus hochmobilen Familien, vielfach sind die Eltern als Geschäftsleute oder Diplomaten aus aller Welt in die Stadt gekommen. Andere Eltern wollen einfach, dass ihr Kind an der Schule das Internationale Abitur macht, mit dem man auch in den USA und anderswo studieren kann.

Die Mandela-Schule hat jetzt schon über 1000 Schüler und die Zahl der Bewerber steigt an. Die Bildungsverwaltung plant mit dieser Neuregelung gleichzeitig eine weitere derartige Internationale Schule. Eine Kopie der Nelson-Mandela-Schule soll demnächst in das leerstehenden Gebäude in der Levetzowstraße in Tiergarten einziehen, in dem früher das Kleist-Gymnasium untergebracht war. Zuvor hatten Bezirke wie Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg sich geweigert, einer solchen staatlichen Internationalen Schule ein Gebäude zu überlassen. Wegen steigender Schülerzahlen brauche man alle zur Verfügung stehenden Immobilien für Regelschulen. Der Grünen-Bildungspolitiker Özcan Mutlu fragte bereits, wieso sich Berlin angesichts seiner vielen maroden öffentlichen Schulgebäude ausgerechnet eine weitere Internationale Schule leisten wolle. Andererseits gibt es in Berlin bereits mehrere deutsch-englischsprachige Privatschulen, die ein monatliches Schulgeld von 400 Euro und deutlich mehr verlangen.

Furcht vor den Kosten

Die Bildungsverwaltung war allerdings vor zwei Jahren daran gescheitert, die deutsch-englischsprachige John-F.-Kennedy-Schule in Zehlendorf und das Französische Gymnasium in Tiergarten zu einer zentral durch das Land verwalteten Schule zu machen. Obwohl sich alle Beteiligten schon darauf geeinigt hatten. Plötzlich aber fürchtete man sich im Senat davor, dass das Land für die hohen Gebäudesanierungskosten dort aufkommen müsste. Die Instandhaltung von Schulgebäuden ist in der Regel Sache der Bezirke. Zunächst einmal wird die Mandela-Schule nun zusätzlich noch ein leerstehendes Gebäude in der Prinzregentenstraße in Wilmersdorf nutzen.