Berlin - Es ist wieder soweit: Die Klassenlotterie beginnt. Zwei Wochen lang müssen die Eltern der künftigen Oberschüler – mit den Sprösslingen im Schlepptau – an der Wunschschule vorsprechen, einen guten Eindruck machen, Formulare ausfüllen und dann hoffen, bangen, beten. Oder doch besser erst mal verdrängen: Denn ob es geklappt hat, erfahren alle erst in drei Monaten. Sind Sie auch betroffen? Ich würde Ihnen jetzt gerne einen Trost zusprechen, aber ehrlich gesagt: Es gibt keinen.

Seit vielen Jahren suchen die Schulen ihre Schüler auf dem ersten Blick selbst aus und entscheiden sich auf den zweiten Blick dafür, die mit den besten Noten zu nehmen. Weil alle andere Kriterien in Berlin bisher einfach versagt haben. So absurd es klingt – dass ein Drittel der Oberschulplätze in dieser Stadt verlost werden – ja wirklich: verlost – ist da noch ein Moment der Gerechtigkeit. Ansonsten hilft es, sich nicht allzu viele Illusionen über das Ganze zu machen.

Vergessen Sie den Zweit- und den Drittwunsch

Natürlich war es richtig und wichtig, dass sie mit Ihrem Kind die Tage der Offenen Türen besucht haben. Doch jetzt sollten Sie rein pragmatisch vorgehen. Ein paar Tipps gibt es nämlich schon, wie man die Chancen auf die Wunschschule zumindest verbessert. Der wichtigste zuerst: Vergessen Sie den Zweit- und den Drittwunsch. Natürlich sollten Sie auf dem Formular zwei weitere Schulen als die unbedingt ersehnte angeben. Aber machen Sie sich keine falsche Hoffnungen. Gut gebuchte Schulen nehmen niemals Schüler mit Zweit- oder Drittwunsch, weil sie ihre Plätze mit Erstwunschschülern füllen.

Daraus folgt, dass Sie ihren Erstwunsch mit Bedacht wählen müssen. Hier gilt wirklich: Alles oder nichts. Das klingt nach Glücksspiel und es ist auch eines. Tückischerweise ändert es sich nämlich von Jahr zu Jahr, welche Schule besonders begehrt ist und welche nicht. Gehen Sie also nicht gleich am ersten Tag zu Anmeldung! Versuchen Sie am Anfang der zweiten Woche herauszufinden, wie sich die Anmeldezahlen in diesem Jahr entwickeln. Rufen Sie dazu im Sekretariat der Schule an und fragen Sie freundlich nach. Im schlimmsten Fall werden Sie unwirsch abgefertigt, im günstigsten erhalten Sie einen Tipp, ob es sich lohnt oder ob man besser woanders hingeht. Vielleicht machen Sie dann doch den Zweitwunsch zum Erstwunsch.

Planen Sie ein zweites Kind!

Den wichtigsten Tipp zum Schluss: Nutzen Sie die lange Wartezeit bis zum Bescheid, um sich klar zu machen, dass es mehr als eine gute Schule in dieser Stadt gibt. Und planen Sie ein zweites Kind. Das kriegen Sie mit der Geschwisterregelung ohne Probleme auf die einmal ergatterte Oberschule.