An den über 50 Berliner Berufsschulen lernen 80.000 Schüler auf vielfältige Weise: Einige holen dort den Mittleren Schulabschluss nach, viele machen eine vollschulische Ausbildung wie zum Beispiel im Oberstufenzentrum (OSZ) Kraftfahrtzeugtechnik, wo man sogar im Schulgebäude Autowerkstätten untergebracht hat. Andere Schüler besuchen eine Berufsschule im Rahmen einer dualen Betriebsausbildung. Und es gibt Jugendliche, die an OSZ’s die Hochschulreife erwerben, um später zum Beispiel Grafik- oder Modedesign zu studieren.

Für diese beruflichen Schulen, die derzeit der Bildungsverwaltung unterstellt sind, soll künftig ein eigenständiges Landesinstitut Berufliche Schulen (LIBS) zuständig sein. Das sieht ein Konzept vor, das in der Bildungsverwaltung mit Hilfe von OSZ-Leitern entstanden ist. An der Spitze des neuen Landesinstituts wird demnach ein von der Bildungsverwaltung auf fünf Jahre ernannter Geschäftsführer stehen, gesucht werde „ein charismatischer Kopf“, wie ein OSZ-Schulleiter sagt.

Dieser Geschäftsführer gehört auch dem 17-köpfigen Kuratorium an, das ansonsten zur einen Hälfte aus Vertretern des Senats und der Bundesagentur für Arbeit bestehen soll – und zur anderen Hälfte aus Vertretern der Wirtschaft, Gewerkschaft und anderen gesellschaftlichen Organisationen. Auf diese Weise wesentlich besser vernetzt soll die Qualität der OSZ gesteigert werden, betonte Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) am Montagabend bei einer Veranstaltung in der Handwerkskammer.

Verkürzung der Reaktionszeit

Gleichzeitig könnten die OSZ dann auf aktuelle Herausforderungen in der Berufsausbildung schneller reagieren, etwa wenn es um neueste Entwicklungen in technischen Berufen geht oder eine Firma plötzliche viele Mitarbeiter sucht. „Derzeit verlieren wir noch zu viele junge Leute“, sagte Stefan Platzek vom Verband beruflicher Schulen. Tatsächlich brechen in Berlin besonders viele Jugendliche die Schule ab oder beenden die Berufsausbildung nicht.

Der Geschäftsführer des künftigen Landesinstitutes, der für Personal zuständig ist und einen eigenen Haushaltsplan aufstellt, soll mit den beruflichen Schulen künftig Zielvereinbarungen abschließen. Schulen, die besonders schwierige Schüler zu einem Abschluss führen, könnten dann zusätzlich Geld erhalten. Eine Art Erfolgsprämie. Der Geschäftsführer leitet zudem eine operative Koordinierungsstelle, die aus je vier Schulleitern und vier Schulräten bestehen soll. Neu ist, dass diese Schulräte den Schulleitern hierarchisch nicht mehr überlegen sind. Gemeinsam sollen sie konkrete Verabredungen mit den Schulen treffen. Zwischen OSZ und Sekundarschulen ist auch ein stärkerer Lehreraustausch geplant.

Doro Zinke, Landeschefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes, kritisierte die bürokratische Struktur des Landesinstituts. Sie hätte sich wie mehrere OSZ-Leiter eine größere Eigenständigkeit der beruflichen Schulen gewünscht – nach Hamburger Vorbild. Selbst Rackles bemühte den Spruch, man solle die Frösche nicht fragen, wenn man den Sumpf trocken legen will. Dieser Satz stammt von OSZ-Leitern und unterstellt indirekt, dass sich Beamte in der Bildungsverwaltung angesichts des Stellenabbaus dort neue Beschäftigungsfelder im Landesinstitut suchen würden.

Kritik übte auch Thilo Pahl von der Industrie- und Handelskammer, die sich nicht einbezogen sieht. Pahl will vermeiden, dass die OSZ noch stärker vollschulische Angebote machen. Angesichts sinkender Schülerzahlen will die Wirtschaft verstärkt selbst Auszubildende haben.