Berlin - Mit einer Meditation am Brandenburger Tor haben am frühen Samstagnachmittag etwa 100 Menschen auf die Macht der Banken aufmerksam gemacht. „Wir wollen friedlich meditieren, um dem Geist neue Ideen zu verleihen", sagte ein Organisator. Die Gruppe hatten ihre Aktion bei der Polizei angemeldet. Einige Menschen hatten sich im Kreis auf den Boden gesetzt, andere standen dahinter, alle fassten sich bei den Händen. Ein Sprecher der Protestaktion rief den Umstehenden, darunter etlichen Touristen, durch seine Megafon zu: „Die Regierungen haben eine Rettungsschirm-Diktatur über alle demokratischen Instanzen hinweg entwickelt. Aber wir lassen uns nicht aushebeln." Die Teilnehmer der Meditation sprachen von einer „friedlichen Empörung“ und distanzierten sich von jeglicher Form von Gewalt und politischem Extremismus. Die Meditierenden saßen im Sonnenschein und hielten die Augen geschlossen. Manche der Umstehenden trugen selbst gestaltete Plakate bei sich, auf denen stand: „Die Party ist vorbei", „Reißt die Mauern ein", „Take Manhattan, be Berlin" und "Game Over".

Demonstranten ignorierten Polizeikette

Kurz nach 14 Uhr vergrößerte sich die Gruppe der Protestierenden um etwa 500 Menschen. Sie hatten sich zuvor am Roten Rathaus getroffen und waren von dort aus über die Straße Unter den Linden in Richtung Brandenburger Tor losgezogen. Auch das globalisierungskritische Netzwerk Attac hatte zu der Aktion aufgerufen. Obwohl die Demonstration nicht angemeldet war, überließ die Polizei den meist jungen Protestlern die Straße und begleitete sie ohne einzugreifen. „Alles war absolut friedlich, es gab keine Eskalation", sagte eine Polizeisprecherin. Die Demonstranten riefen „Occupy Bundestag“ (Besetzt den Bundestag) und „Brecht die Macht der Banken und Konzerne“. Am Brandenburger Tor versuchte die Polizei kurzzeitig den Zug zu stoppen und umzuleiten.

Die Demonstranten ignorierten allerdings die Polizeikette und zogen durch das Brandenburger Tor in Richtung Reichstag. Auf dem Weg dorthin kam es zu kurzen Rangeleien mit der Polizei. Etwa 300 Menschen versammelten sich später auf der Wiese vor dem Reichstag, um sich dort zu einer Rederunde über die Banken- und Eurokrise sowie die Milliardenkredite der EU. Die Polizei achtete darauf, dass die Protestler keine Zelte, Schlafsäcke und Isomatten bei sich trugen. Denn ein Protestcamp der Occupy-Bewegung wie in New York, London und Frankfurt am Main soll es im Berliner Regierungsviertel nicht geben.

Die Einsatzkräfte sind am Sonnabend mit etwa 700 Leuten in der Berliner Innenstadt vertreten, zur Unterstützung kamen auch Polizisten aus Bayern. Allerdings waren für diesen Samstag allein elf Demonstrationen in der Innenstadt angemeldet.