Berlin - Über das Essen hat sich noch keiner empört. Koch Andreas Kappeller steht in der improvisierten, zugleich aber perfekt eingerichteten Küche des Occupy-Zeltlagers in Mitte. Kappeller, der einst in Nobelrestaurants auf Sylt und beim Sterne-Koch Harald Wohlfahrt gekocht hat, zeigt auf die Großpackungen Porree, Kartoffeln, Zwiebeln und Möhren. Daneben stehen mehrere Flaschen Olivenöl, Gewürze, etliche Packungen Reis und Milch. So viel anders sieht es in den Küchenlagern von Restaurants auch nicht aus. Auch nicht auf dem Speiseplan: Kürbissuppe, Couscous, Kaiserschmarren und Pflaumengelee. „Ich hab ein Herz für die Occupy-Bewegung. Die Leute sollen ordentlich essen“, sagt Kappeller. „Es muss sich was ändern in der Welt.“

Seit zwei Wochen leben etwa 50 meist junge Menschen auf dem Gelände am Kapelle-Ufer. Früher war hier die Bar Bundespressestrand, jetzt nennen die Besetzer das Areal Bundespressecamp. Wo vor ein paar Wochen noch Besucher in Liegestühlen Caipirinha in der Sonne tranken, stehen ordentlich aufgereiht die Zelte der Occupy-Anhänger. Die Bewohner haben es nach der Besetzung des ungenutzten Geländes geschafft, eine komfortable Zeltstadt zu errichten. „Die Struktur wächst mit dem Camp“, sagt Zoltan Grasshoff, einer der Bewohner. „Uns fehlt es hier eigentlich an nichts.“ Vor seinem Zelt steht eine selbstgebaute Solaranlage, sie versorgt das Zelt mit Strom für einen Heizlüfter und den Computer.

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