Die Ansteckungsgefahr ist in überfüllten Abteilen besonders hoch.
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Berlin - Ohne Stress in den neuen Arbeitstags zu starten, ist das Ziel der meisten Menschen. Doch in den vergangenen Tagen sind viele schon nach der morgentlichen Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln genervt. Der Grund: In den vollen Bahnen und Bussen wird gehustet und geniest.

Kranke Berliner bringen, anstatt das Bett zu hüten, mit Vorliebe ihre Keime in Umlauf – und gefährden damit all jene, die einer Ansteckung nur allzu gern entgehen würden, es aber in keinem Fall können, weil sie auf die Nutzung der Öffis angewiesen sind.

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Die öffentlichen Verkehrsmittel, insbesondere die übervollen U-Bahnen, sind Berlins größte Keimschleudern – das wissen auch die Allgemeinmediziner. „Alle, die erkältet sind, sollten auf jeden Fall vermeiden, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen“, sagt Christiane Cott, Fachärztin für Innere Medizin am Sana Gesundheitszentrum Friedrichshain.

„Die Erkrankungen der Atemwege sind meist Virusinfekte, die sich über den Auswurf per Tröpfcheninfektion verbreiten. Wer in der U-Bahn hustet, verteilt seine Keime in Räumlichkeiten, in denen viele Menschen unterwegs sind.“ Hinzu kommt: Gerade in den U-Bahnen verbringen viele Leute Zeit auf engstem Raum, die Beschaffenheit der Luft ist eine andere als draußen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass man hier Bakterien oder Viren einatmet, ist um ein Vielfaches erhöht“, sagt Cott.

So schützen Sie sich und andere bei Erkältungen

Auch Allgemeinärztin Katrin Hofmann vom Polikum in Fennpfuhl ist von der U-Bahn wenig begeistert. „Hier hat man kaum Chancen, einer Ansteckung zu entgehen“, sagt sie. „Aber man kann sich überlegen, ob man wirklich in die Bahn steigen muss – vielleicht kann man den Weg auch zu Fuß gehen. Die frische Luft bringt das Immunsystem in Schwung!“ Wer doch fahren muss, sollte Abstand zu hustenden oder niesenden Fahrgästen halten.

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Das Problem: Das scheint nur schwer möglich. Aktuell sind die Züge im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr derart überfüllt, dass kein Apfel zu Boden fallen kann. Umso schlimmer, wenn es Kranke dann nicht einmal schaffen, sich die Hand vor den Mund zu halten. Wer derzeit mit der U-Bahn fahren muss, den beschleicht das Gefühl, dass genau das völlig aus der Mode gekommen ist.

„Ich denke, dass das daran liegt, dass man lange Zeit gesagt hat, man soll nicht in die Hand husten“, sagt Cott. „Denn dann hat man die Keime in der Hand.“ Ratsam sei es aber nicht, einfach alles rauszulassen. „Am besten die Armbeuge verwenden.“ Hoffmann rät: „Wer husten muss, sollte ein Taschentuch nutzen und dieses danach am besten gleich in einem Mülleimer entsorgen, nicht in der Tasche lassen.“

Studien zeigen: Öffentliche Verkehrsmittel sind voller Keime

Selbstverständlich sollte auch regelmäßiges Händewaschen sein. „Denn auch über eine Schmierinfektion können sich die Keime verbreiten, die Atemwegs- oder Magen-Darm-Infektionen auslösen. Sie bleiben an den Haltegriffen der öffentlichen Verkehrsmittel haften.“ Gefährlich könnte all das auch werden, sollte das Corona-Virus noch den Weg zu uns finden. „Bisher spielt das zwar keine Rolle, aber die Viren verbreiten sich über die gleichen Wege wie die normale Grippe“, sagt Cott.

Dass die Verkehrsmittel eine echte Keimschleuder sind, wurde sogar schon in Studien bewiesen. Das Reinigungsunternehmen Zipjet etwa nahm 2017 Proben, ließ sie in einem Labor in Mannheim untersuchen. Ergebnis: In den Bussen tummelten sich „nichtfermentierende gramnegative Stäbchen“ in mittlerer Konzentration, die etwa Lungenentzündungen hervorrufen können.

Enterokokken – Darmbakterien, die unter anderem nach dem Toilettengang in Umlauf kommen, wenn die Hände nicht gewaschen wurden – fanden sich in hoher Konzentration in den Straßenbahnen und U-Bahnen. Sie können unter anderem Durchfall verursachen.

Generell raten Ärzte, Infektionen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Wer merkt, dass er schwächer wird, verstärkt hustet oder dass die Körpertemperatur steigt, sollte zum Arzt gehen“, sagt Cott. Und nicht in die U-Bahn oder zur Arbeit.