Berlin - Die Gewalt im öffentlichen Nahverkehr reißt nicht ab. Am Wochenende wurden mehrere Fahrgäste durch Angreifer verletzt.

Die 20-jährige Nicoletta W. und der ein Jahr ältere Siegfried N. waren am Sonnabend gegen 3.30 Uhr mit der U6 in Richtung Alt-Tegel unterwegs, als am Leopoldplatz in Wedding eine sechsköpfige Gruppe einstieg. Zeugen berichteten später, die jungen Männer hätten untereinander arabisch gesprochen. Die Männer fragten das Pärchen nach einem Taschentuch, die beiden hatten keines dabei. Daraufhin wurden sie angepöbelt. Als die beiden den Platz wechseln wollten, erhielt der 21-Jährige mehrere Faustschläge ins Gesicht. Nicoletta W. wurde gegen die Waggonwand geschubst. Nach Angaben der Polizei bat das angegriffene Paar Fahrgäste um Hilfe, ohne dass jedoch jemand einschritt.

An der Afrikanischen Straße gelang es den beiden, den Zug zu verlassen und die Polizei zu rufen. Die Angreifer fuhren mit der Bahn davon. Während Siegfried N. mit einem Nasenbeinbruch stationär in einer Klinik aufgenommen wurde, konnte Nicoletta W. die Klinik nach ambulanter Behandlung verlassen.

Randale gab es am Wochenende auch in einem in BVG-Bus in Hakenfelde. Allerdings versuchten hier mehrere Zeugen einzugreifen und die Angreifer zu stoppen - wenn auch ohne Erfolg. Am Sonntagmorgen stiegen drei 17-,18- und 21-Jährige in den Bus der Linie M45 in Richtung Johannesstift. Laut Polizei gingen die Betrunkenen zu einer weiteren Gruppe junger Männer und fingen an, diese zu provozieren und einzuschüchtern. Nachdem an der Endstation alle Fahrgäste ausgestiegen waren, fingen die Betrunkenen eine Prügelei an. Ein 28-Jähriger, der dazu kam und schlichten wollte, bekam mehrere Faustschläge ins Gesicht. Auch der Busfahrer, der eingreifen wollte, wurde durch das Trio geschlagen. Die Täter konnten später von Polizisten in der Streitstraße gestellt werden.

15-Jähriger griff ein

Am U-Bahnhof Hellersdorf wurde ein 17-Jähriger am Samstagabend von einem 18-Jährigen angegriffen. Ein anderer Mann bemerkte dies, ging dazwischen und bekam selbst Schläge. Polizisten nahmen den betrunkenen Angreifer fest. Bei ihm fanden sie ein Klappmesser und einen Schlagring. Er ist bereits als "Intensivtäter" bekannt.

Einen Übergriff auf einen Fahrgast gab es auch in Mahlsdorf. In der Nacht zu Sonnabend stieg ein 48-Jähriger am S-Bahnhof Mahlsdorf in einen Wagen der Linie 195. Mehrere Unbekannte versuchten ebenfalls einzusteigen, allerdings durch die Mitteltür. Der Mann mahnte die Gruppe, so wie er die vordere Tür zu benutzen. Während der Busfahrt beleidigten die Unbekannten den Mann immer wieder. Als er an einer Haltestelle in der Hönower Straße ausstieg, folgte ihm die Gruppe und kündigte an, den Mann anspucken zu wollen. Daraufhin griff sich der 48-Jährige einen der Beteiligten und wurde sofort von zwei anderen mit Faustschlägen attackiert. Er fiel zu Boden und prallte mit dem Kopf gegen einen Steinpoller, wodurch er schwer verletzt wurde.

Dass Fahrgäste nicht immer bei Gewalt wegsehen, zeigte ein 15-Jähriger, der nun von der Polizei für sein couragiertes Handeln geehrt werden soll. Der Schüler war im Juni bei einer Auseinandersetzung auf dem U-Bahnhof Karl-Marx-Straße eingeschritten. Ein 67-jähriger Mann hatte damals einen 30-Jährigen, der auf dem U-Bahnhof auf einer Bank lag, Bier trank und rauchte, auf das Rauchverbot hingewiesen. Es kam zum Streit, bei dem der 30-Jährige versuchte, eine leere Bierflasche auf dem Kopf des Rentners zu zerschlagen. Nur durch das Eingreifen des 15-Jährigen und zwei weiterer Zeugen konnte dies verhindert werden.