Straßenbahnen, Busse, S-Bahn-Züge und die U-Bahn-Linie U 2: Im Berliner Norden ist der Bahnhof Pankow einer der wichtigsten Knotenpunkte des Verkehrs. Doch obwohl viele Linien dort vorbeiführen, dauern Fahrten in die West-Bezirke meist lange. Oft muss umgestiegen werden, und die U 2 ist langsam.

Nun gibt es einen Plan, Pankow besser anzuschließen. Zu den Erweiterungen des U-Bahn-Netzes, für die sich die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) beim Senat einsetzen, gehört auch eine Verlängerung der Linie U 9 – von Osloer Straße zum U- und S-Bahnhof Pankow. „Zu möglichen Ergänzungen des U-Bahn-Netzes gibt es intensive Gespräche mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die ja Auftraggeber und Besteller ist“, bestätigte die BVG-Sprecherin Petra Reetz. „Dort arbeitet man an Plänen für eine Netzerweiterung.“

Fahrzeit zum Zoo würde halbiert

Die BVG dementierte nicht, dass auch eine Verlängerung der U 9 auf ihrer Liste steht. Auf der Karte, die alle Vorschläge zeigt, wurde die Trasse von Wedding nach Pankow eingetragen. Sie würde die Fahrzeit von Pankow zum Zoo halbieren. Statt 33 Minuten mit der Linie U 2 (die derzeit wegen Bauarbeiten am Gleisdreieck endet) bräuchten die Fahrgäste mit der U 9 nur etwas mehr als 15 Minuten, bis sie in der City West sind.

Klar, dass die BVG-Planer den Lückenschluss für wirtschaftlich halten. Die Verbindung in den Bezirk Pankow, dessen Einwohnerzahl so rasant wie in keinem anderen Bezirk steigt, würde sich erheblich verbessern. An der Endstation gäbe es viele Umsteigemöglichkeiten. Die mehr als drei Kilometer lange Trasse wäre nicht einfach zu bauen: Die U-Bahn müsste die Nordbahn (S 1) unterqueren, wo ein Umsteigebahnhof nötig wäre, und dort verlaufen, wo Pankow am dichtesten bebaut ist. Sie würde einen hohen dreistelligen Millionenbetrag erfordern, hieß es.

Die BVG hat weitere Zukunftspläne für die U-Bahn. Berlin wächst, und bevor Neubaugebiete bezogen werden, sollten die Schienenstrecken bereits fertig sein, sagte BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta. Wo in Tegel heute noch Flugzeuge starten und landen, plant der Senat rund 5 000 Wohnungen und die Urban Tech Republic TXL, einen Forschungs- und Gewerbestandort. Nikuttas Vorschlag im Interview mit der Berliner Zeitung: „Eine Neubaustrecke, die unter dem Kurt-Schumacher-Platz von der U 6 abzweigt und oberirdisch weiterführt – das würde die Kosten gering halten. Die Trasse wird auf jeden Fall freigehalten.“

Wie berichtet sieht das BVG-Konzept auch vor, die U 1 in Friedrichshain zu verlängern – von der Warschauer Straße bis Ostkreuz. Dadurch entstünde eine neue Ost-West-Verbindung, die Kreuzbergern und anderen bessere Anschlüsse an die Ringbahn bescheren würde. Am Ostkreuz halten künftig auch Regionalzüge. Für die U-1-Verlängerung hatte sich zunächst vor allem der Bahn-Konzernbevollmächtigte Ingulf Leuschel eingesetzt. „Es geht aus meiner Sicht auch nicht darum, neue U-Bahn-Linien zu bauen. Doch als Fahrgast und als Bürger dieser Stadt meine ich, dass wir uns über kleine Lückenschlüsse Gedanken machen müssen“, so Leuschel.

Noch ist nichts entschieden

En U-Bahn-Projekt in Charlottenburg steht ebenfalls auf der BVG-Liste: die Verlängerung der U 1 zum Adenauerplatz, wo Anschluss an die U 7 bestünde. Dieses Projekt würde allerdings den Kurfürstendamm in eine Großbaustelle verwandeln.

Zeitpläne gibt es noch nicht, auch kein Geld für den Bau. Und die Senatsverwaltung ließ offen, ob sie die BVG-Ideen in ihre offizielle Verkehrsplanung übernimmt. Sprecherin Petra Rohland: „Wir prüfen im Zusammenhang mit den anstehenden Erkenntnissen zur weiteren Bevölkerungsentwicklung auch die Frage nach erforderlichen Infrastrukturergänzungen regelmäßig.“ Entschieden sei aber noch nichts. Auch hätten sich die schwierigen Randbedingungen für eine Finanzierung nicht wesentlich geändert. Senatsintern sieht man die Pläne deshalb skeptisch. Der Haushaltspolitiker Sven Heinemann (SPD) verwies auf die hohen Baukosten.

Auch der Fahrgastverband IGEB bewertet die U-Bahn-Pläne kritisch. „Hier ist die BVG übers Ziel hinausgeschossen. Sie hat viel Geld in diese Planung investiert“, sagte ihr Sprecher Jens Wieseke. Straßenbahnstrecken seien nicht so teuer, Steuergeld ließe sich so wesentlich wirtschaftlicher anlegen. Wieseke: „Mit der Straßenbahn bekäme ich bessere Effekte – für weniger Geld.“

Ein Prominenter U2-Fan ist Udo Lindenberg. Er hat schon 1983 über den Sonderzug nach Pankow gesungen.