Nach schweren Kommunikationspannen in ihrer jüngeren Vergangenheit nimmt die Charité nun Hilfe von außen in Anspruch. Die Werbeagentur Scholz & Friends Agenda wird ab sofort für einen Zeitraum von vier Jahren die interne Kommunikation sowie die Öffentlichkeitsarbeit für die Sanierung des Bettenhochhauses in Mitte und andere Baumaßnahmen betreuen.

„Scholz & Friends Agenda gewinnt Etat der Berliner Charité“, heißt es in einer Mitteilung auf der Homepage der Agentur. „Dialog und Transparenz werden die Grundpfeiler der Kommunikation bilden“, erklärt Geschäftsführer Klaus Dittko. Auf diese Weise solle die Akzeptanz für die Baumaßnahmen bei allen Stakeholdern gestärkt werden – das sind Personen oder Gruppen, die ein berechtigtes Interesse am Verlauf oder Ergebnis eines Prozesses oder Projektes haben.

Im vergangenen Jahr war die Charité, wie berichtet, für ihre Öffentlichkeitsarbeit im Umgang mit einem Keimausbruch bei Neugeborenen sowie Missbrauchsvorwürfen gegenüber einem Pfleger scharf kritisiert worden. Professionelle Hilfe kann da nicht schaden. Doch die Zusammenarbeit mit der Werbeagentur wirft auch Fragen auf.

Wolfgang Albers, der Wissenschafts- und Gesundheitsexperte der Linksfraktion, versucht jetzt, in einer parlamentarischen Anfrage mit dem Titel „Charité & Friends“ zu klären, weshalb die Pressestelle, in der laut Internetseite des Uniklinikums 13 Personen beschäftigt sind, extern unterstützt werden soll.

„Warum braucht die aus öffentlichen Mitteln finanzierte Charité eine so renommierte und sicherlich nicht billige Agentur, um die Baumaßnahmen zu vermarkten? Ist deren Scheitern bereits einkalkuliert?“ Pikant sei es zudem, dass eine Werbeagentur ausgewählt wurde, in der Justizsenator Thomas Heilmann bis vor einiger Zeit eine wichtige Rolle gespielt hat, sagt Albers.

Der CDU-Politiker Heilmann ist Mitbegründer von Scholz & Friends, im Jahr 2010 hat er sich aus dem Unternehmen zurückgezogen.

Die Verbindung des Senators zu der Werbeagentur habe nichts mit der Vergabe des Auftrags zu tun, teilt die stellvertretende Charité-Sprecherin Manuela Zingl auf Anfrage mit. Er sei nach einem Vorstandsbeschluss EU-weit ausgeschrieben worden. Zur Höhe des Etats, den Scholz & Friends gewonnen hat, will sie sich nicht äußern.

Die Agentur werde nach Bedarf hinzugezogen und leistungsbezogen bezahlt, für die gesamten vier Jahre gebe es noch keine konkrete Planung.

Die Agentur unterstütze die Pressestelle primär bei der Erstellung von Informationsmaterialien, Probleme mit den Baumaßnahmen gebe es nicht. „Ziel ist es, unsere Mitarbeiter und Patienten sowie die niedergelassenen Ärzte und die Berliner Öffentlichkeit bestmöglich zu informieren“, sagt Zingl. Eine temporäre Verstärkung bei Großprojekten sei auch in anderen öffentlichen Einrichtungen wie Bundesministerien üblich.

Agentur auch bei Vivantes

Auch das ebenfalls öffentlich finanzierte Klinikunternehmen Vivantes greift auf die Expertise externer Kommunikationsprofis zurück. Seit Mitte 2010 ist dort die Agentur WOK für „strategische Kommunikationsarbeit“ zuständig, erläutert Geschäftsführer Holger Steudemann. „Zudem haben wir die Pressestelle restrukturiert und das zehnjährige Jubiläum von Vivantes im Jahr 2011 begleitet“, sagt er.

Dafür erhielt WOK nach Angaben von Vivantes-Sprecherin Kristina Tschenett rund eine Million Euro. Mittlerweile sei die Agentur hauptsächlich für Infoflyer, Kongresse oder Gesundheitskampagnen zuständig und bekomme dafür einen niedrigen sechsstelligen Betrag unterhalb der Ausschreibungsgrenze von 200 000 Euro. „Bei neun Klinikstandorten mit über 14 000 Beschäftigten schaffen das unsere drei Mitarbeiter im Marketing nicht allein“, sagt Tschenett.

Andere Krankenhäuser bewältigen diese Aufgaben ohne Unterstützung. Für Informationen über den 200 Millionen Euro teuren Neubau des privaten Helios-Klinikums in Buch war allein der damalige Pressesprecher Hermann Müller zuständig. „Von der Grundsteinlegung 2004 bis zu Eröffnung 2007 bin ich ohne Hilfe durch externe Agenturen ausgekommen. Das ist neben der normalen täglichen Pressearbeit alles über meinen Tisch gelaufen“, sagt Müller.