Der Nightjet 471 der ÖBB. 
Foto:  pa/obs/ÖBB

BerlinAbend für Abend gehen sie auf die Reise durch die Dunkelheit. Zwei Schlafwagen hat der Nightjet 471 von Berlin nach Zürich, der laut Plan täglich um 21.07 Uhr auf Gleis 13 im Hauptbahnhof abfahrt. Über mangelnde Nachfrage können sich die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die den Nachtzug betreiben, nicht beklagen.

„Die Schlafwagenabteile sind fast immer ausgebucht“, heißt es beim Personal. Kein Wunder in einer Zeit, in der Alternativen zu klimaschädlichen Flugreisen gesucht werden. Doch jetzt bereitet die ÖBB einen Schnitt vor, der auf den ersten Blick unverständlich wirkt. 

Nach dem Fahrplanwechsel zum 15. Dezember wird der Nachtzug nach Zürich nur noch einen Schlafwagen aus Berlin mitführen, teilte die ÖBB mit. Liege- und Sitzwagen bleiben, doch bei der komfortabelsten Option wird die Kapazität halbiert. Folge wird sein, dass ein Bett in diesem Zug bald noch schwerer zu ergattern sein wird – und Schnäppchenpreise noch seltener werden.

Deutsche Bahn gab Nachtzüge 2016 auf

Der Nachtzug in die größte Stadt der Schweiz hat zwei Teile. Der Zugteil aus Hamburg hat momentan einen Schlafwagen, der Zugteil aus Berlin zwei – künftig ist es umgekehrt, sagte ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder auf Anfrage.  „Die Verbindungen nach Zürich laufen sehr gut. Hamburg– Zürich ist jedoch etwas stärker als Berlin–Zürich. Daher wird der zweite Schlafwagen auf der Strecke Hamburg–Zürich eingesetzt“, erklärte er. Zwar hat die ÖBB bei Siemens 13 siebenteilige Nightjet-Garnituren geordert. Doch die Lieferung wird bis Ende 2022 dauern, am jetzigen Wagenmangel kann sie noch nichts ändern. Darum muss das knappe Material gut verteilt werden, hieß es.

Über viele Jahre ging die Zahl der Züge, die über Nacht mit Schlaf- und Liegewagen verkehren, zurück. 2016 gab die Deutsche Bahn (DB) dieses Geschäft auf. Ihre Bilanzrechnungen wiesen Verluste aus. In Osteuropa, Skandinavien, Italien oder Spanien blieben dagegen Verbindungen erhalten, und in Großbritannien verzeichnet der erneuerte Caledonian Sleeper zwischen London und Schottland steigende Nutzerzahlen.

ÖBB ist Marktführer 

Marktführer ist jedoch die ÖBB mit 26 Nachtzugrouten. „Wir werden 2019 über 1,5 Millionen Reisende in unseren Nachtzügen begrüßen dürfen“, sagte Bernhard Rieder. „In den vergangenen Monaten sehen wir nochmals eine deutliche Steigerung der Nachfrage, auf bestimmten Linien um bis zu zehn Prozent.

Auf vielen Strecken sind die Schlafwagen oft Wochen im Voraus ausgebucht.“ Seit Ende 2018 bietet die ÖBB wieder eine Nachtverbindung zwischen Berlin und Wien an – in Kooperation mit anderen Bahnen, die Wagen von Berlin nach Budapest sowie über Krakau nach Przemysl beifügen. „Die Strecke Berlin – Wien ist gut angelaufen, hat aber noch Potenzial nach oben“, teilte Rieder mit.