Berlin - Die junge CDU-Politikerin Jenna Behrends erhebt schwere Vorwürfe gegen die Berliner Union. In einem offenen Brief an die Partei, den die 26-Jährige am Freitag auf der Plattform "Edition F" veröffentlichte, schreibt sie von „Verleumdungen, Gerüchten, Sexismus gegenüber Frauen und teilweise auch durch Frauen“.

Jenna Behrends trat im Mai vergangenen Jahres in die CDU ein und bereits auf dem Parteitag des Kreisverbandes Mitte im November erhielt sie auf Vorschlag ihres Ortsverbandes den sicheren Listenplatz sechs für die Wahl der Bezirksverordnetenversammlung. Schließlich gab es bislang bei der CDU in der BVV kaum Frauen.

Vorwurf, sich hochzuschlafen

„Ein großer Vertrauensvorschuss“, schreibt die Mutter einer dreijährigen Tochter. Doch manchem in der Partei schien der Aufstieg zu schnell zu gehen. Die Verleumdungen fingen an. Ihr sei unterstellt worden, sich für ein kommunales Ehrenamt hochzuschlafen, ständig sei sie mit Gerüchten über ihre angeblichen Affären konfrontiert worden.

Vor allem ein Abgeordneter habe besonders aktiv diese Gerüchte verbreitet. „Weil er mich offenbar als Konkurrent sieht und Angst um seine erneute Kandidatur hat.“

„Fickst du die?“

Behrends schreibt auch „vom Senator, der auf einem Parteitag des Kreisverbandes meine Tochter begrüßte: ,Oh, eine kleine süße Maus‘. Der dann pausierte, mich ansah und fortfuhr: ,Und eine große süße Maus‘.“ Dieser Senator habe auch einen Kollegen aus dem Abgeordnetenhaus vor ihrer Nominierung gefragt: „Fickst du die?“

Widerstand auch bei Frauen

Auf Widerstand stieß Jenna Behrends, die sich für eine bessere Familienpolitik einsetzen will, auch bei den Frauen. Ursprünglich sollte sie bei der Frauen Union in Mitte Anfang nächsten Jahres die Nachfolge der Vorsitzenden antreten. Doch dann durfte sie auf einmal nicht mehr an Vorstandssitzungen teilnehmen, der nun intern tagte.

Später hörte sie, dass die Frauen ihr vorwarfen, „karrieregeil“ zu sein. Sie zog ihre Kandidatur zurück. Aber in die BVV Mitte will sie einziehen. „Ich freue mich auf die nächsten fünf Jahre“, sagt sie im Gespräch mit der Berliner Zeitung. „Ich werde in der Partei weitermachen.“

Mit ihrem offenen Brief habe sie bewusst bis nach der Wahl gewartet. Eine Freundin habe sie gewarnt: „Jenna, wenn Du das veröffentlichst, wirst Du in der Partei nichts mehr.“ Doch Jenna Behrends sagt, sie habe eine Debatte anregen wollen.