Die Füße von Tänzerinnen (Symbolfoto).
Foto: picture alliance/dpa

BerlinFür diesen Text wirft man am besten zuerst einen Blick auf die bunte Grafik, die sich an jedermann wendet: BERLIN SUCHT SCHLAUE LEUTE. BERLIN SUCHT DICH.

Sieht aus wie ein Aufruf zu „Jugend forscht“. Doch es geht um höchste Stellen für die Staatliche Ballettschule. Vorher wurde sie von einem promovierten Tanz- und Theaterwissenschaftler im Rang eines Professors geleitet. Vernetzt in der internationalen Ballettwelt und mit jahrzehntelanger Lehrpraxis sorgte er für Auftritte und Ensemble-Kooperationen weltweit. Und jetzt wirst DU, sein Nachfolger, als Erstes geduzt.

Auf diesem Niveau sucht Bildungssenatorin Senatorin Sandra Scheeres, SPD, nach Personal für eine Eliteschule, die internationale Reputation hatte, deren Absolventen in renommierten Ensembles tanzen. Seit der Abberufung ihres Leitungspersonals im Februar versinkt die Schule in Negativ-Schlagzeilen. Zuletzt wurde ein pensionierter Berufsschulleiter für ein Jahr an der Spitze eingesetzt.

Die besagte Grafik der Staatlichen Ballettschule. 
Foto: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie

Mitten in den Ferien schreiben jetzt 38 Schülerinnen und Schüler einen offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller und die Grünen-Bildungssprecherin Marianne Burkert-Eulitz: „Liebe Politiker, wir sind verzweifelt.“ Geschockt darüber, wie in der Politik über die Zukunft ihrer Schule verhandelt werde.

Burkert-Eulitz hatte in der taz vorgeschlagen, die Schule „breiter“ aufzustellen, wegzukommen von der „Focussierung auf künstlerische Ausbildung“. Die Schüler bezeichnen den Vorschlag als „lächerlich und unfassbar“, schreiben, dass sie nicht glauben könnten, dass Menschen ohne jede Erfahrung über ihre Karriere entscheiden wollen. „Der Grund, warum Schüler diese Schule besuchen, ist, weil wir Künstler werden wollen und sind ... Wir sind nicht nach Berlin gekommen, um vorrangig Schule zu machen und nebenbei zu tanzen. Da hätten wir auch zu Hause bei unseren Familien bleiben können.“

Sie erinnern daran, dass die Schule 2020 trotz der starken Praxis-Ausbildung wieder das beste berufliche Gymnasium Berlins wurde, und fragen: „Wie ,breit‘ soll unsere Schule noch werden? Wir tanzen Modern und Klassisch, bekommen unseren Schul- und Berufsabschluss ... Damit waren wir bis jetzt sehr glücklich.“

Sie erklären den Politikern auch die Notwendigkeit des Landesjugendballetts. „Wir brauchen Auftritte. Wir wollen der Welt zeigen, wer wir sind. Das ist der Grund, warum wir seit unserer Kindheit bis zu sechs Mal in der Woche in den Trainingssaal gehen und versuchen, unseren Träumen näher zu kommen.“

Nun liege das Jugendballett auf Eis. Immer mehr Leute tauchten an der Schule auf, die über „Kindeswohlgefährdung“ redeten, „helfen“ wollten, alles nur schlimmer machten. Aber die ungeeigneten Lehrer, über die sich Schüler beklagt hätten, die würden nicht zur Verantwortung gezogen.