Die Verkehrsteilnehmer in Berlin müssen lernen, sich zu beherrschen. 
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Berlin - Wo bleibt die Verkehrswende? Wo sind die versprochenen Radfahrstreifen? Wann ist Berlin endlich so weit wie skandinavische Städte, in denen keine Radfahrer, keine Fußgänger mehr von Kraftfahrzeugen getötet werden? Das sind Fragen, die viele Berliner stellen. Manch ein Bürger versucht, bessere Standards per Widerspruch und Klage einzufordern – wie der Radfahrer, der sich über die schmalen Wege auf der Oberbaumbrücke ärgert.

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Sicher, in der Theorie ist Berlin vorn. Als einziges Bundesland hat sich die deutsche Hauptstadt ein Mobilitätsgesetz gegeben, das seinesgleichen sucht. Der Verkehrswende verpflichtet, schreibt es Standards für eine umweltgerechte Infrastruktur vor – auch für Radfahrstreifen. Doch das Gesetz führt die Bürger in die Irre. Es weckt hohe Erwartungen, die von der Verwaltung in ihrer jetzigen Verfassung nicht so rasch umgesetzt werden können, wie viele Bürger das erwarten.

Konsequente Überwachung des Verkehrs benötigt  

Sicher, noch nie zuvor sind so viele Planer und andere Fachleute eingestellt worden. Doch vor allem bei den Bezirken sind viele Akteure immer noch in einem Wust von Anforderungen und Richtlinien gefangen, die das Handeln erschweren oder unmöglich machen. Daran, dass es im Schnitt dreieinhalb Jahre dauert, bis ein Radfahrstreifen markiert wird, hat sich nichts geändert. So richtig es ist, Verbesserungen der Infrastruktur zu fordern: Auch dies weckt falsche Erwartungen.

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Selbst der längste und schönste geschützte Radfahrstreifen endet irgendwo, und dort lauern dann die altbekannten Gefahren. Ohne eine konsequente Überwachung des Verkehrs, ohne Tempo 30 und ohne die Selbstbeherrschung aller Verkehrsteilnehmer werden Berlins Straßen nicht sicher werden.