Mit den Menschen, die der WG Einkäufe oder auch mal Essen von draußen bringen, kommunizieren sie auch durch die verschlossene Tür und das geöffnete Fenster.
Foto: Jan Huebner/imago images

BerlinWir sind nun seit knapp zwei Wochen in Quarantäne. Nach und nach wird man auch psychisch sensibler. Das eingeschlossen sein trägt dazu bei einfach, schneller gereizt zu werden. Abhilfe vom Alltag schafft dabei die intensive Kommunikation mit Familie und Freundinnen und Freunden „draußen“. Das Handy kommt nun überall hin mit – selbst mit aufs Klo.

Es gibt immer neue Nachrichten zu Corona, die ich mittlerweile auch mal ausblende. Videos und Memes in den Sozialen Medien werden dafür rigoros studiert. Vor allem die lustigen oder satirischen schaffen Heiterkeit – wir freuen uns über die Kreativität im Netz. Aber auch längere Video- und Sprachnachrichten werden ausgetauscht, neben täglichen Telefonaten und einigen Stunden chatten. Vor allem mit meinen Eltern bin ich nun täglich im Kontakt. Beide leben in Hamburg, sind 50+, haben jeweils einige Vorerkrankungen, sind aber an sich gesund.

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Sie wollen gerade jetzt natürlich wissen, wie alles bei uns verläuft. Sie bekommen nun tägliche Fotos von uns, auch damit sie sich vergewissern können, dass wir, trotz Coronapositivtest von meinem Partner, wirklich bei bester Gesundheit sind. Aber das Handy auch mal ganz weg legen oder ausschalten, wenigstens ein paar Stunden, ist ebenso wichtig um der Handysucht zu widerstehen. Schaffen tue ich das aktuell kaum.

Quatschen durch die geschlossene Tür

Mit den Menschen, die uns Einkäufe oder auch mal Essen von draußen bringen, kommunizieren wir auch durch die verschlossene Tür und das geöffnete Fenster. Über einen Nachbarschafts-Chat haben wir einen Nachbarn kennengelernt, der direkt im Haus neben uns wohnt. In dem Plattenbau aus den frühen 70er Jahren sind blockartig immer vier Hausnummern direkt mit einem Innenhof verbunden. Und tatsächlich können wir von zwei Zimmern der Wohnung auf seinen Balkon gucken und uns zuwinken. Durch diese Krise bekommen die oft anonymen Nachbarinnen und Nachbarn auf einmal einen Namen.

Schwierig ist so eine Quarantäne – ob verordnet oder vorsichtshalber in Eigenregie – vor allem für diejenigen, die keine breiten sozialen Netzwerke haben, oder die nicht besonders Social Media affin sind. Nachbarschafts-Webseiten wie www.nebenan.de/corona, oder auch Telegramgruppen wie „Corona-News – Solidarisch gegen Corona“ richten sich eher an Menschen, die auch sonst viel im Internet sind. Wenn man keinen Kontakt zur Familie hat, die Familie weit weg ist und/oder man nicht weiß, wie man sich mit Menschen „da draußen“ in Verbindung setzen kann, kann so eine Quarantäne-Zeit schnell zu einer enormen Belastung werden. Umso wichtiger wirklich physisch Zettel im eigenen Hausflur aufzuhängen und auch regelmäßige Telefongespräche anzubieten. Dies bei Möglichkeit mehrsprachig zu tun zeigt, dass wir keine und keinen in Isolation lassen.

Wir hoffen am Ende unserer Quarantäne immun gegen das Virus zu sein, um in der Nachbarschaft aus helfen zu können. (bearbeitet)