28 Jahre, zwei Monate und 27 Tage - so lange ist es her, dass die Mauer gefallen ist. Und genau so lange existierte sie. Der 5. Februar 2018 ist ein Zirkeltag - ab jetzt ist die Berliner Mauer länger Geschichte, als sie die Stadt in Ost und West trennte.

Die Redaktion der Berliner Zeitung arbeitet heute nur wenige Meter vom ehemaligen Mauerstreifen entfernt - ehemals in Ostberlin gegründet, ist das keine Selbstverständlichkeit.

#ohneMauerfall - teilen Sie Ihre Geschichten mit uns 

Für uns, aber auch für viele Leserinnen und Leser ist nicht selbstverständlich, dass sie sich heute frei durch die Stadt, durchs Land, ja, durch die Welt bewegen können. Zeit, einmal kurz inne zu halten und sich zu fragen - was wäre eigentlich nie passiert, wenn die Mauer nicht gefallen wäre? Wie viele liebe Menschen hätte man nie getroffen, wie viele Chancen nicht nutzen können, wie viel von der Welt nicht gesehen? 

Unter dem Hashtag #ohneMauerfall sammelt die Berliner Zeitung auf Twitter Geschichten darüber, was nie passiert wäre und wie ihr, wenn die Mauer noch stünde - vielleicht auch Ihre? 

Was auffällt - die meisten Leute sprechen über Menschen, die sie nie getroffen hätten, hätte es den Mauerfall nicht gegeben. Wie viele verpasste Begegnungen es dann gegeben hätte, wie viele Beziehungen und Partnerschaften nie entstanden wären.

Viele andere sehen Chancen, die sie wahrnehmen konnten, weil es die Mauer nicht mehr gibt - oder Orte, die sie nie entdeckt hätten. 

Aber die Leser der Berliner Zeitung schreiben auch, dass die Wende und die große Umstellung für viele nicht immer einfach war. "Die  Monate nach dem 9. November 1989 waren wie eine Wiedergeburt oder Umschulung. Der reinste Kulturschock. Freude, Ängste,  Fragen. Wie kleine Kinder mussten wir viel Neues  erst lernen, um uns  in dieser  so ungewohnten Welt zurechtzufinden.", schreibt Leserin Gudrun Bernhagen, 62, aus Berlin Marzahn, ". Viele neue Eindrücke und Erfahrungen, neue Arbeitsbedingungen, neue Preise, neue Rechtsvorschriften, neue Gesetze, neues Geld,  aber auch der stärkere Autoverkehr, die vielen bunten Farben, die  aufdringlichen Gerüche in den Supermärkten führten zu  Überlastung und  Kopfschmerzen. Der Körper gewöhnte sich erst nach mehreren Monaten an diese Umstellung."

Und Katja Dietrich, 63, Ingenieurin aus Grünheide fühlte sich als Verlierer der Einheit: "Die Wende wollte ich nicht, aber ich hatte keine Wahl. Ich war mit meinem Leben in der DDR zufrieden, ich wollte auch nicht reisen", schreibt sie und: "mir wurde  in der Mitte meines Lebens meine Identität genommen.  In dieser jetzigen mir aufgezwungenen Gesellschaftsform, musste ich neu leben lernen. Eine Gesellschaft, in der die Ellenbogen ausgefahren werden müssen.  Ich musste froh sein, als Frau in einem technischen Beruf überhaupt Arbeit zu finden. Meine  Leistungen mussten  immer viel besser sein als die meiner männlichen Kollegen."

Und doch überwiegen - jedenfalls auf Twitter - die dankbaren, frohen Geschichten zum Mauerfall. Und das auch bei jenen Menschen, die das geteilte Deutschland gar nicht mehr selbst erlebt haben.