Oliver Kalkofe: „Es ist einfach peinlich, wie viel in Berlin in die Grütze geht“

Bekannte Berlin-Bewohner nehmen die Stadt ins Visier. Heute: Oliver Kalkofe, der den Kudamm liebt und sich über Unfähigkeit in Politik und Verwaltung ärgert.

Dichter und Denker und unglaublich witzig: Oliver Kalkofe lebt zwar in Zehlendorf, hat aber durchaus auch ein Herz für Charlottenburg.
Dichter und Denker und unglaublich witzig: Oliver Kalkofe lebt zwar in Zehlendorf, hat aber durchaus auch ein Herz für Charlottenburg.Dpa/fairpress.de/Tele5

Berlin hat rund 3,7 Millionen Einwohner, und jede(r) hat seinen eigenen Blick auf die Stadt. Was macht Berlin aus, wieso lebt man hier – und tut man es überhaupt gern? In unserer Rubrik „Fragebogen Berlin“ fragen wir bekannte Hauptstädterinnen und Hauptstädter nach ihren Lieblingsorten und nach Plätzen, die sie lieber meiden. Sie verraten, wo sie gern essen, einkaufen oder spazieren gehen. Aber auch, was sie an Berlin nervt und was man hier auf keinen Fall tun sollte.

Diesmal hat der TV-Satiriker, Schauspieler und Komiker Oliver Kalkofe, 57, unsere Fragen beantwortet, der sich in seiner „Mattscheibe“ schon gnadenlos den Programmschrott vornahm, als das Wort Trash-TV noch gar nicht erfunden war. Zu einiger Berühmtheit brachten es etwa sein Schlagabtausch mit dem Partyschlagersänger Klaus Baumgart („Freund Speckbulette“) oder mit Moderator Achim Mentzel („Kalki ist doof!“). Aktuell kann man den Grimme-Preisträger, der auch als Sprecher und Kolumnist tätig ist, im Podcast „Kalk & Welk. Die fabelhaften Boomer Boys“ zusammen mit Oliver Welke hören – jeden Montag gibt’s eine neue Folge in der ARD-Audiothek. Kalkofe lebt mit Ehefrau Connie, Tochter Celina und Goldendoodle Dexter in Zehlendorf.

1. Herr Kalkofe, seit wann sind Sie schon in der Stadt?

Ende 2001 bin ich von Hannover nach Berlin gezogen, weil sich damals plötzlich die komplette Medienwelt wie auch ein Großteil meiner Freunde und Bekannten hierher zu bewegen schien. Ich wollte eigentlich nie nach Berlin, habe mich dann aber sofort wie zu Hause gefühlt.

2. Welcher ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

Ich liebe den beleuchteten Kudamm zur Weihnachtszeit, den Gendarmenmarkt und die vielen großartigen Kinos und Theater. Mein absoluter Lieblingsort ist inzwischen aber unser Haus in Zehlendorf geworden, das war ein absoluter Glücksgriff.

3. Wo zieht es Sie hin, wenn Sie entspannen wollen?

Als meine Frau nach Berlin kam, hat sie als Erstes einen Bootsführerschein gemacht. Seitdem lieben wir es, bei gutem Wetter ein Boot zu leihen und die 7-Seen-Tour vom Wannsee bis nach Potsdam zu machen. Da sieht man dann erst, wie großartig Berlin sich doch anfühlen kann!

4. Welche Ecken der Stadt meiden Sie?

Ich versuche alle Ecken, die besonders laut, hektisch, dreckig und überfüllt sind, möglichst zu meiden. Davon hat Berlin allerdings so einige, ebenso wie wunderschöne – hier gibt es nun mal alles. Und genau das ist auch das Besondere an dieser Stadt – hier ist es so vielfältig, hier kann jeder etwas finden, was ihm gefällt oder was er meiden möchte.

5. Ihr ultimativer Gastro-Geheimtipp?

Das beste Essen gibt es für mich immer noch im Balthazar 2 am Spreeufer, nur leider ist das für uns immer ein ziemlich weiter Weg. In Zehlendorf haben wir zum Glück mit La Gondola Due, Rossosiena und Brunello gleich drei großartige Italiener und einen fantastischen Griechen namens Pikilia. Meist landen wir dann doch bei einem von denen.

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rbb/Jan Knoff
Zur Person
Oliver Kalkofe kam 1965 in Hannover zur Welt. Nach dem Abitur machte er eine Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten und Wirtschaftsdolmetscher, studierte dann in Münster Publizistik, Germanistik und Anglistik. Während des Studiums kam er zu Radio ffn, wo er bis Mitte der 90er-Jahre Ensemblemitglied in der Comedy-Kultshow „Frühstyxradio“ war.

1994 wechselte er ins Fernsehen und startete mit „Kalkofes Mattscheibe“, erst bei Premiere, später auf ProSieben und Tele5. Bei Tele 5 präsentiert er seit 2013 mit Peter Rütten die Reihe „SchleFaZ: Die schlechtesten Filme aller Zeiten“. Im Kino war Kalkofe in den Edgar-Wallace-Parodien „Der Wixxer“ und „Neues vom Wixxer“ zu sehen. Er ist zudem häufig als Synchronsprecher tätig, etwa als deutsche Stimme von Matt Lucas in der Comedy-Serie „Little Britain“. Im Podcast „Kalk & Welk“ sezieren Kalkofe und der „heute show“-Moderator Oliver Welke Aktuelles aus Fernsehen, Politik, Kultur und Gesellschaft.

6. Ihr ultimativer Shopping-Geheimtipp?

Ich habe leider nur wenig Zeit zum Shoppen, meist lande ich dann auf dem Kudamm, im KaDeWe oder in irgendwelchen Comic-Läden.

7. Der beste Stadtteil Berlins ist …

Ich fühle mich in Zehlendorf inzwischen sehr wohl und möchte auch nicht mehr hier weg, trotzdem finde ich Charlottenburg und das klassische alte Berlin entlang des Kudamms mit seinen vielen spannenden kleinen Nebenstraßen immer noch am schönsten. Die ersten Jahre habe ich dort gewohnt und fand es fantastisch, man musste sich eigentlich gar nicht groß aus dem Kiez herausbewegen und konnte trotzdem jeden Tag etwas Neues entdecken.

8. Das nervt mich am meisten an der Stadt:

Es ist einfach peinlich, wie viel hier ganz generell durch Unfähigkeit im Bereich Politik und Verwaltung immer wieder in die Grütze geht, das kann man bei aller Liebe nicht mehr schönreden. Das Ämter- und Verkehrs-Chaos, der BER, verrottende Schulen, die verkorkste Wahl – so viel selbstverschuldete dusselige Murksigkeit ist irgendwann kein Zufall mehr, da steckt inzwischen schon System dahinter.

9. Was muss sich dringend ändern, damit Berlin lebenswert bleibt?

Berlin ist theoretisch eine der schönsten und faszinierendsten Städte der Welt, behindert sich aber andauernd selbst und zerstört sich damit praktisch irgendwann seinen Ruf und seinen Charme, wenn es nicht aufpasst. Mein Tipp: Reiß dich mal zusammen, Berlin! Wir lieben dich alle, aber hör mal langsam auf, so viel Scheiße zu bauen!

10. Ihr Tipp an Unentschlossene: Nach Berlin ziehen oder es lieber bleiben lassen?

Ich fürchte, heute ist es nicht mehr so einfach, angenehm und bezahlbar nach Berlin zu ziehen wie noch vor 20 Jahren. Aber Berlin bietet immer noch mehr Möglichkeiten, sich individuell oder künstlerisch zu entfalten, als die meisten anderen Städte in Deutschland.

11. Cooler als Berlin ist …

… höchstens noch London, Paris oder New York – jedenfalls was kulturelle Vielfalt angeht. Auch andere Länder haben schöne Städte, aber Berlin ist in der Beziehung schon einzigartig.


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