Berlin - Was tut sich eigentlich bei den vielen Planungen, die für die City West Berlins ventiliert werden? Drei Projekte standen Mittwochabend im Focus einer Veranstaltung des Werkbundes und des Studiengangs Metropolitan Studies der Technischen Universität Berlin. Vom Saal in der alten IHK aus kann man künftig einen Hochhausturm sehen, wenn der Bund seine viel kritisierten Baupläne an der Fasanenstraße verwirklichen kann. Doch stecken die noch in der Vorplanung.

Ganz im Unterschied zu den Umbauplänen von Johanne Nahlbach für die so schöne wie verrottende Kant-Garage, die ein Galerie- und Atelierzentrum werden soll, oder jenen für Arthouse-Kinos unter der Hochgarage direkt neben dem S-Bahnbogen am Bahnhof Zoo. Hier sind die Investoren dem Vernehmen nach schon recht weit in der Debatte mit den Behörden, während der große Umbauplan von Jan Kleihues für das Kudamm-Karree noch sehr in der Schwebe ist. Da gibt es, wie der neue Baustadtrat von Charlottenburg-Willmersdorf, Oliver Schruoffeneger bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im neuen Amt zeigte, zum einen den anhängigen Prozess um die wirtschaftliche Zukunft der beiden Theater. Sie erregen aber auch als historisch gewordene Bauten die Berliner Seele. Schließlich sind sie als Werke von Oskar Kaufmann und Max Reinhard hoch verehrt, trotz des Wiederaufbaus nach schweren Kriegszerstörungen und mehrmaligem Umbau. Sogar Jan Kleihues gab nun dieser Sehnsucht nach dem Alten nach, entwarf einen Theaterraum, in dem sich die Besucher in Logen zurückziehen können.

Reformen

Ist das schon die Vorwegnahme dessen, was Schruoffeneger im Gespräch mit der Berliner Zeitung als Zukunft der Berliner Planungskultur bezeichnete? Schruoffeneger will vor allem seine Mitarbeiter neu motivieren: „Das ist in den vergangenen 20 Jahren richtig gegen die Wand gefahren worden. Wenn ich mein eigenes Amt angucke mit einer Krankheitsquote von 25 Prozent – da kann man nicht mehr arbeiten.“ Doch solche Reformen dauerten vier, fünf Jahre. Architekten und Investoren sollten „eine gewisse Toleranz entwickeln, dass manche Menschen für diese Prozesse mehr Zeit brauchen als sie selbst.“

Schruoffeneger forderte einen Masterplan für Hochhausbauten in Berlin, aber vor allem mehr Bürgerbeteiligung sowie Rücksicht auf die Bezirke: „Eine Bezirksverwaltung soll auch die politische Linie vorgeben, sicher. Entwicklung hat nämlich immer auch etwas mit Identitäten zu tun. Aber ich sehe meine Rolle nicht als Architekturpolizei.“ Immerhin. Die Architekten im Publikum lehnten sich wieder zurück.

Er wehrte sich gegen die Zentralisierung der Stadtplanung beim Senat: „So lässt man immer mindestens die Hälfte der Bevölkerung außen vor.“ Und genau diese müsse mitgenommen werden, nicht zuletzt mit Blick auf die AfD oder Donald Trump: Die Globalisierung des Lebens führe zu Ängsten, aus denen heraus autoritäre Ideen ihre Überzeugungskraft erhielten: „Ich habe da auch keine fertige Antwort. Aber ich glaube, dass die Gestaltung der Stadt mit Frei- und Wohlfühlräumen eine ganz wichtige Rolle spielt. Wenn immer nur überall Mobilität ist, dann fühlen sich die Menschen nicht mehr – da.“